Erst letzte Woche gab es hier einen Bericht vom Noel Gallagher-Konzert in Düsseldorf, mein Freund ließ es sich aber nicht nehmen, zusätz...


Erst letzte Woche gab es hier einen Bericht vom Noel Gallagher-Konzert in Düsseldorf, mein Freund ließ es sich aber nicht nehmen, zusätzlich auch dessen Auftritt in Wiesbaden zu besuchen. Ich musste nicht mit, stellte ihm und seiner Begleitung aber hinterher einige Fragen:

Ingo, wie oft hast Du Noel schon live gesehen, und hättest du für das Konzert auch bezahlt, wenn ihr nicht auf der Gästeliste gestanden hättet?

Ingo: Bis heute war ich noch "Gallagher-Jungfrau". Der halbe Ticketpreis wäre aber in Ordnung gewesen.

Dirk, und du?

Dirk: Ach, die Gästeliste! Gut, dass das nicht unser jährlicher Platten vor Gericht-Betriebsausflug war, denn das übliche Pluseins war verschwunden, so dass wir bei einem ausverkauften Konzert noch ein Ticket auftreiben mussten. Nach einigen bangen Minuten hatten wir aber Glück und letztendlich hat das mit dem von Ingo angesprochenen halben Ticketpreis doch irgendwie gepasst.
Ich musste etwas nachzählen: Ich stehe aktuell bei 14,5 Oasis Konzerten, 11,5 Noel Gallagher Auftritten, 3 von Beady Eye und mein erstes Konzert von Liam findet im Juli statt.


Ingo: Wieso denn halbe Konzerte?

Dirk: Oasis haben wir im Juni 1994 schon in der Royal Albert Hall bei einem Festival zu Ehren von Creation Records gesehen. Da sie damals noch nicht einmal ihre zweite Single veröffentlicht hatten, war der Auftritt relativ kurz, so dass ich diesen nur halb zähle. Und bei Noel Gallagher haben wir einmal die Teilnahme an einem Soundcheck im vollkommen leeren Palladium in Köln gewonnen. Da er 9 Lieder gespielt hat, zählt das auch als ein halbes Konzert. Mindestens.

Wie gefällt Euch das neue Album?

Ingo: In Vorbereitung auf das Konzert habe ich alle Alben noch einmal gehört, das neue verstehe ich aber bis auf "Dead In The Water" nicht.

Dirk: "Who Built The Moon?" ist immerhin das drittbeste Soloalbum von Noel Gallagher und warum "Dead In The Water" nur ein Bonus-Track ist, verstehe ich tatsächlich auch nicht.


Das Konzert im Schlachthof war ausverkauft, da musste dann wohl, anders als in Düsseldorf letzte Woche, nichts abgehängt werden, oder?

Ingo: Also bei den Editors vor einigen Wochen war es voller. Gerade am Ende, als bereits einige gegangen waren, hatte man doch genug Platz.

Dirk: Ich war so froh, dass wir beide dann doch noch reingekommen sind, dass ich darauf gar nicht geachtet habe.


Wurde denn meine Anregung, die Setliste in Marmor zu meißeln, bereits umgesetzt?

Dirk: Noch nicht, das dauert vermutlich auch ein paar Tage. Vielleicht, wenn wir ihn im Sommer in Mailand und Paris sehen...
Offensichtlich waren auch die Bühnendekoration und die Deutschlandfahne gerade in der Wäsche, denn im Hintergrund hing ein schlichtes weißes Laken und zu Ehren des neuen englischen Fußballmeisters war ein Verstärker mit der Fahne von Manchester City verkleidet.

Ingo: "AKA... What a Life!" wurde auch den Manchester City Supportern gewidmet.

Dirk: Und "She Taught Me How to Fly" allen Frauen.


Zum Ablauf und der Setliste muss ich nichts fragen, oder?

Dirk: Fragen kannst du schon, aber was soll ich sagen? Es ging wieder mit den ersten vier Titeln von "Who Built The Moon?" los und der Titelsong war leider eines der beiden ausgesparten Lieder. Dafür erlebte tatsächlich ein anderer neuer Song vor einigen Tagen seine Live-Premiere: "If Love Is The Law" wurde auch in Wiesbaden gespielt, wodurch sich die Setliste auf 22 Titel erweiterte.
Außerdem gab es drei Zweierblöcke von Oasis-Liedern, sieben Lieder aus den ersten beiden Alben mit den High Flying Birds und zum Abschluss "All You Need Is Love" von The Beatles, zu dessen Beginn alle salutierten. Die Hoffnung, dass das Wiesbadener Konzert eines der wenigen sein würde, bei dem "The Importance of Being Idle" durch "Supersonic" ersetzt würde, hat sich nicht erfüllt.


Trägt Noel bei dieser Tour immer dasselbe? Also ein langärmliges schwarzes Shirt? 

Ingo: Offensichtlich wollte Noel in Wiesbaden shoppen gehen, aber nach der Frage "Where the fuck are we?" erklärte er uns, dass es in dieser Stadt keine Geschäfte gebe und fragte uns, wie man hier ohne Geschäfte überhaupt (über)leben könne?

Dirk: Bis auf die französische Sängerin YSEÉ hielten sich alle an den schwarzen Dresscode. Noel hat im Koffer wohl noch die Variante mit leichtem Rollkragen gefunden. dabei hat sein Bruder doch so schöne Hemden in seinem Pretty Green Shop!


Hatten Blossoms denn etwas in ihren sieben Songs umgestellt?

Dirk: Darf man das denn, wenn man mit Noel auf Tour ist? Sogar die Ansagen ("Are you excited to see Noel Gallagher tonight?" (lauter:) "Are you excited to see Noel Gallagher tonight?") kamen punktgenau wie in Düsseldorf.

Ingo: Um 20:14 Uhr. Steht so im Vertrag.

Setliste:

I Just Imagined You
Blow
Getaway
I Can't Stand It
At Most a Kiss
Between The Eyes
Charlemagne


Was hat Noel noch so gesagt? Hatte wieder jemand ein Pappschild mit Liedwünschen? Etwa ihr?

Ingo: "Shut up.", war seine Reaktion auf Noel-Rufe und Liedwünsche. Seine zweite und dritte Äußerung: "Shut up." und "Shut up."

Dirk: Das hat er aber sehr freundlich gesagt. Bei Liam ist immer noch ein "fuck" mit dabei.

Ingo: Bei einer Unterbrechung, als am Schlagzeug etwas repariert werden musste, erklärte er, dass dies eben auch dazu gehöre und nicht nur "Glamour, cocaine and prostitutes".

Dirk: Am Ende fragte er noch einmal nach, wo wir denn gerade wären und zeigte bzw. sagte, dass die Chance, dass er noch einmal in diese Stadt käme sehr sehr gering sei.

Ingo: Bei der Vorstellung von Jessica Greenfield merkte Noel passend dazu an "aus Camden, wo ihr auch alle herkommen wollt".


Hatte Charlotte Marionneau wieder ihr Cape an?

Dirk: Hatte sie. Und obwohl es in Wiesbaden deutlich heißer war als in Düsseldorf letzte Woche, hat sie es vor ihrem mittlerweile berühmten Scheren-Auftritt bei "She Taught Me How to Fly" nicht abgelegt.

Welche Oasis-Songs hättet ihr (noch) lieber gehört?

Ingo: "Morning glory" hätte ich gern gehört.

Dirk: Dann musst du mit zum Liam Konzert kommen, der spielt es als einen von neun Oasis-Songs.

Ingo: Ich bin sowieso im Team Liam. Ich mag es, wenn Leute singen können.

Dirk: Einige der Oasis-Songs habe ich jetzt wirklich schon oft gehört und daher könnte ich bei den nächsten Konzerten auf " Half the World Away" oder "Wonderwall" auch einmal verzichten. Über "Go Let It Out" habe ich mich sehr gefreut und meine 100 liebsten Oasis-Songs poste ich demnächst auf deinem Blog, jeden Tag einen. Ich bin aber immer noch mit der Auswahl beschäftigt...


Das erinnert mich daran, dass ich das Passwort ändern muss.
War die Fangruppe aus Yorkshire auch wieder dabei? Und wie war die Stimmung im Publikum?

Ingo: Es waren auf jeden Fall einige Engländer vor Ort. Überrascht haben mich die vielen Frauen im Publikum und dass selbst die neuen Songs bejubelt wurden.

Dirk: Die Stimmung war tatsächlich, gemessen am Mitklatschen ("Holy Mountain", "It's a Beautiful World") und -singen ("Little By Little", "If I Had A Gun..."), etwas besser als in Düsseldorf.


Abschließend noch euer Fazit bitte!

Ingo: Wenn man sagt, dass das erste Mal nie so toll wird, dann stimmt das in diesem Fall. Beim nächsten Mal lieber Liam.

Dirk: Beim nächsten Mal Liam? Da muss ich erst in meinen Terminkalender schauen, ob das so stimmt. Die aktuelle Setliste hat leider den ein oder anderen Song ("Riverman", "Be Careful What You Wish For" und "The Right Stuff") zu bieten, den der Steinmetz beim Meißeln hoffentlich bis zum nächsten Wiedersehen – und das muss es geben - vergisst bzw. austauscht. Schließlich hat sich Noel sogar auf Deutsch verabschiedet: "Auf Wiedersehen".


Setliste:

Fort Knox
Holy Mountain
Keep on Reaching
It's a Beautiful World
In the Heat of the Moment
Riverman
Ballad of the Mighty I
If I Had a Gun...
Dream On
Little by Little (Oasis Song)
The Importance of Being Idle (Oasis Song)
Dead in the Water
If Love Is The Law
Be Careful What You Wish For
She Taught Me How to Fly
Half the World Away (Oasis Song)
Wonderwall (Oasis Song)
AKA... What a Life!

The Right Stuff
Go Let It Out (Oasis Song)
Don't Look Back in Anger (Oasis Song)
All You Need Is Love (The Beatles Cover)

The Shins veröffentlichten im März 2017 ihr Album "Heartworms" und im Dezember gleich noch einmal - als alternative Version, fü...


The Shins veröffentlichten im März 2017 ihr Album "Heartworms" und im Dezember gleich noch einmal - als alternative Version, für die man leise Songs lauter, schnelle langsamer, langsame schneller und laute leiser aufnahm. In der "flipped" Version erhielt der Titelsong "Heartworms" auch ein Video, in dem jemand sehr Thunderbirds-mäßig in den Weltraum fährt, einen Lolli-begeisterten Alien-Freund findet (der mich sehr an eine Katze erinnert), Kämpfe durchsteht und schließlich eine Band gründet.

Ach, Noel Gallagher. Kaum einen Musiker sieht mein Freund lieber live, und zu kaum jemand ist es schwieriger, immer wieder Liveberichte z...


Ach, Noel Gallagher. Kaum einen Musiker sieht mein Freund lieber live, und zu kaum jemand ist es schwieriger, immer wieder Liveberichte zu schreiben - Noel ist, wenn es um die Organisation seiner Konzerte geht, viel eher Beamter als Punk und bleibt gerne bei bewährten Konzepten. Was soll man da immer Neues schreiben? Aber immerhin, er hat ein neues Album (sein drittes), und der Montagabend in Düsseldorf bot letztlich spannendere Neuerungen als nur die Wahl seiner Kleidung. Aber beginnen wir am Anfang:

Eigentlich hätten wir im März bereits einen Gallagher sehen sollen: Liam hätte im Kölner Palladium aufspielen sollen, und mein Freund hatte bei eBay günstig Karten ergattert. Liam sagte dann aber am Konzerttag wegen einer schweren Erkältung ab, die übrigens am nächsten Abend in Berlin bereits völlig überstanden war. Auch für Düsseldorf kamen unsere Karten vergünstigt von eBay - während Noel Gallagher in Paris mühelos zwei Abende hintereinander ausverkauft ist, gab es für die meisten deutschen Termine durchaus noch ausreichend Tickets. Aber immerhin die Sache mit der Absage wiederholte sich nicht, das Konzert fand statt.


Der Abend in der Mitsubishi Electric Halle, bei der größere Teile des Sitzplatzbereichs abgehängt waren, begann mit der jungen englischen Band Blossoms, die dem strengen Zeitregime folgend, das wir von Noel Gallagher-Konzerten gewöhnt sind, um Punkt 8 auf der Bühne standen. Die ehemalige Schülerband aus Stockport bei Manchester (als Musik zum Bühnebetreten lief eine Art Stockport-Hymne) wirkte auf uns unglaublich jung, außerdem stellte ich als modische Seitennotiz fest, dass englische Indiebands offenbar mittlerweile keine Skinny Jeans mehr tragen (sondern Beinkleider in einer eher „normalen“ Weite)


Insgesamt entpuppten sich Blossoms für mich als positive Überraschung, denn ihre Popmusik, die mich an eine Keyboard-lastigere Version der Kooks erinnerte, machte durchaus Spaß. Etwas unwürdig finde ich es ja immer, wenn die Vorband nicht allzu spontan fragt, ob sich denn auch alle auf den Hauptact freuen, aber so muss das wohl eben sein.

Blossoms haben übrigens bislang ein Album veröffentlicht, ein weiteres steht bevor.

Setliste:

I Just Imagined You
Blow
Getaway
I Can't Stand It
At Most a Kiss
Between The Eyes
Charlemagne


Nach kurzweiligen sieben Songs war das kurze Set schon vorbei und der Umbau begann. Schon jetzt gab es einige Neuerungen zu entdecken: beispielsweise war einer der Lautsprecher auf der Bühne mit einer Deutschlandfahne umhüllt. Später recherchierten wir nach und stellten fest, dass hier offensichtlich stets die Fahne des aktuellen Auftrittsorts gezeigt wird (und im englischen Fernsehen die von Manchester City). Im Hintergrund der Bühne hingen weiße Stoffstreifen, die recht unauffällig Motive in Anlehnung an das aktuelle Albumcover zeigten.

Noel bekam seine Setliste nicht etwa schnöde als Ausdruck mit Tesa auf die Bühne geklebt, sondern erhielt sie in einem Schuber aus Plexiglas, an dem zusätzlich eine kleine Lampe befestigt war. Mein Freund frotzelte, als ich das anmerkte, das würde sich ja auch lohnen, da sich die Setliste während einer ganzen Tournee ja ohnehin nicht ändert, und ich überlegte, ob man sie dann nicht vielleicht gleich in eine Marmortafel meißeln könnte. Das muss ich dem Tourmanagement einmal vorschlagen!


Vor einigen Wochen ging ein Foto durch die Medien, das Horst Seehofers neue Führungsriege im Innenministerium zeigte und sogleich einen Shitstorm erntete: Neun Personen, alles weiße Männer. Das Bild schaffte es definitiv auch bis England, denn ein britischer Schneider nutzte es auch, um detailliert darzustellen, dass die un-diverse Führungsriege auch noch bemerkenswert schlecht gekleidet sei. Falls Noel Gallagher das Bild in diesem Kontext ebenfalls sah, konnte er sich entspannt zurücklehnen, denn bei ihm gibt es seit 2018 nun Diversity auf der Bühne: Er hat aktuell in seinem Live-Lineup nicht nur Charlotte Marionneau zu bieten, die vor ein paar Wochen ebenfalls hohe Social Media-Wellen schlug, als sie bei einem Fernseh-Liveauftritt das exotische Musikinstrument „Schere“ spielte. Zusätzlich spielt Jessica Greenfield seit Neuestem Keyboard und singt mit, und YSEÉ , ebenfalls aus Frankreich, kommt bei einigen Songs als zusätzliche Sängerin zum Einsatz. Wenn auch die drei Bläser, die bei vielen Liedern zum Einsatz kommen, auf der Bühne waren, stieg sie Gesamtzahl der Musiker so auf zwölf Personen.

Was die ursprünglichen High Flying Birds angeht, ist übrigens nur noch der Keyboarder Mike Rowe mit von der Partie, alle anderen wurden zwischenzeitlich ausgetauscht - und mit Gem Archer an der Gitarre und Chris Sharrock am Schlagzeug haben nun auch zwei ehemalige Oasis- und Beady Eye-Mitglieder ihren Weg zurück zu Noel gefunden.


Trotz all der Änderungen blieb Noel natürlich seinem Timing treu, der Auftritt begann um Punkt 21 Uhr. Gleich im ersten Lied "Fort Knox" hatte YSEÉ eine größere Rolle und verließ anschließend zunächst die Bühne. Es folgte die Single "Holy Mountain", in der Charlotte wie im Video einige Passagen auf der Flöte spielte. Ihr zweiter größerer Auftritt erfolgte im übernächsten Lied "It's a Beautiful World" - am Ende sprach sie ihren französischen Text in einen altmodischen Telefonhörer. Auch Charlotte verließ, wenn sie nichts zu tun hatte, die Bühne. Die ersten vier Lieder des Sets entsprachen übrigens auch in der Reihenfolge genau den ersten Songs auf der neuen Platte „Who built the Moon?“.


Es folgte eine Reihe von älteren Liedern. Vor "If I had a Gun" las Noel, der zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht mit dem Publikum gesprochen hatte (Dialog hinter mir: "Ich finde das doof, dass der uns nicht begrüßt!" "Orrrr, Mama!") mit zusammengekniffenen Augen ein Pappschild vor, das im Publikum hochgehalten wurde, und auf dem sich eine Luciana irgendein Lied wünschte. Er erklärte, dass sie ganz offenbar Regel Nummer 1 nicht kenne, denn diese besagte, dass er so gut wie nie etwas spielen würde, das sich jemand auf einem Schild wünscht. Immerhin bekam Luciana dann "If I had a Gun" gewidmet.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt wurde mir auch eine weitere Neuerung dieser Tour klar, denn es hatte für die bislang gespielten Lieder keinerlei Videoanimationen gegeben. Einige von diesen Kurzfilmen hatten wir seit 2011 immer wieder zu sehen bekommen, nun dachte Noel offenbar, es sei nun doch einmal Zeit für etwas Neues. Oder zumindest etwas Anderes, denn außer gelegentlichen Farbwechseln in der Beleuchtung passierte im Bühnenhintergrund eigentlich nichts.


Nach "Dream On" wurde Düsseldorf dann endlich offiziell begrüßt (die Mutter hinter mir jubelte). Noel fragte, was denn normalerweise Montagabends in der Stadt geboten sei (und vermutete "fuck all") und stellte dann fest, es seien ja auch Oasis-Fans anwesend, was von lauten "Yorkshire"-Brüllern unterbrochen wurde. Mit dem Hinweis, dass Yorkshire das "arsehole of England" sei, leitete Noel die Tatsache ein, dass nun die ersten Oasis-Songs des Sets kommen sollten, "Little By Little" und "The Importance of Being Idle". Die Oasis-Lieder wurden übrigens fast ausnahmslos von der rein männlichen Grund-Bandbesetzung gespielt. Neu-Altzugang Gem Archer dürfte bei „Little by Little“ und später bei zwei anderen Oasis-Titeln zudem das Gitarrensolo übernehmen - vielleicht hatte er sie noch im Kopf.

Vor „The Importance of being Idle“ witzelte Noel, er habe den nächsten Song schon seit langer Zeit nicht mehr gespielt - seit gestern Abend nämlich - und hoffe, dass er ihn noch hin bekomme. Nach dem Lied (er schaffte es ganz gut) setzte er hinzu, er habe den Song in nur einem Abend geschrieben, das sei wirklich nicht viel Arbeit gewesen - aber immer noch mehr als das nun folgende, neue  „Dead in the Water“, das zu schreiben sei ein „piece of piss“ gewesen. Er bot den Song dann allein mit dem Keyboarder dar, alle anderen verließen dafür die Bühne.



Als für „Be Careful What You Wish For“ alle Musiker, auch die drei Frauen, auf die Bühne zurück kehrten, nutzte Noel die Gelegenheit, alle anwesenden Damen vorzustellen, wobei er mit Jessica begann, die aber zu diesem Zeitpunkt gerade erst die Bühne betrat und so schnell an ihren Platz eilen musste. Noel kommentierte das mit einem Spruch über immer zu spät kommende Frauen.

Nicht nur bei den Vorstellungen - nach und nach wurde im Laufe des Sets jeder bedacht, Russell Pritchard sogar zweimal, einmal als Bassist und einmal für backing vocals, bekam ich den Eindruck, dass alle auf der Bühne sich ausgesprochen gut verstanden und freundliche Späße miteinander machten, es wurde viel gelacht und gelächelt. Ich kann mich nicht erinnern, dass bei früheren Noel Gallagher-Auftritten in dieser Ausprägung erlebt zu haben. Vielleicht haben die High Flying Birds nun ja ihr ideales Lineup erreicht.


Nun folgte endlich „She taught me how to fly“, denn natürlich hatten wir uns auch auf Charlottes berühmten Scheren-Auftritt gefreut. Hören konnte ich das Gerät allerdings kaum. Danach war es wieder Zeit für zwei Oasis-Songs, „Wonderwall“ haben nun beide Gallagher-Brüder in ihrem aktuellen Live-Set. Für mich litt das Lied, wie auch einige andere, darunter, dass es direkt hinter mir (von der zur Mutter gehörenden Tochter) sehr laut und schlecht mitgesungen oder eher -gebrüllt wurde. Textsicherheit ist für die direkte Umgebung nicht immer ein Segen.

„AKA... What a Life!“ schloss den Hauptteil des Sets ab, die Zugabe folgte quasi sofort. Wieder waren alle drei Frauen an einer leider endlosen Version des eher mittelprächtigen „The Right Stuff“ beteiligt. Nun folgten die letzten beiden Oasis-Songs, wobei Noel den Refrain zu „Don’t Look Back in Anger“ weitestgehend dem Publikum überließ.


Am Ende gab es eine letzte Neuerung, denn das Set schloss mit einem Beatles-Song, „All you need is Love“. In die letzten paar Takte flossen zudem einige Zeilen der Beatles-Persiflage-Band The Rutles ein, nämlich „Love is the meaning of life, life is the meaning of love“. Dann erfolgte noch eine gemeinsame Verabschiedung der Band mit Verbeugung - auch etwas, das ich bei Herrn Gallagher noch nicht erlebt hatte und das dem gesamten Auftritt einen weiteren freundlichen Touch gab.

Noel entließ uns mit dem Hinweis, wir würden uns sicher im Sommer bei irgendeinem beschissenen Festival wiedersehen, er sei leider dieses Jahr nirgendwo als Headliner gebucht worden.

Insgesamt ein schönes Konzert, das von den kleinen Änderungen gegenüber anderen Touren hinsichtlich Wärme und Abwechslung profitierte. Vielleicht ginge es im Innenministerium ja auch wirklich harmonischer und konstruktiver zu, wenn es in der Führungsriege einige Frauen gäbe?


Setliste:

Fort Knox
Holy Mountain
Keep on Reaching
It's a Beautiful World
In the Heat of the Moment
Riverman
Ballad of the Mighty I
If I Had a Gun...
Dream On
Little by Little (Oasis Song)
The Importance of Being Idle (Oasis Song)
Dead in the Water
Be Careful What You Wish For
She Taught Me How to Fly
Half the World Away (Oasis Song)
Wonderwall (Oasis Song)
AKA... What a Life!

The Right Stuff
Go Let It Out (Oasis Song)
Don't Look Back in Anger (Oasis Song)
All You Need Is Love (The Beatles Cover)

Mein Freund kennt mich mittlerweile ganz gut: In dem Wissen, dass ich auf den Vorschlag, für eine Band, die hauptsächlich er gerne sehen ...


Mein Freund kennt mich mittlerweile ganz gut: In dem Wissen, dass ich auf den Vorschlag, für eine Band, die hauptsächlich er gerne sehen wollte, am Samstag bis nach Aachen zu fahren, wenig begeistert reagieren würde, machte er stattdessen ein anderes Angebot: Fahrt zum Outletshopping in Maasmechelen, anschließend quasi auf der Rückfahrt Konzertbesuch in Aachen.

Grundsätzlich war ich für diese Art Ausflug viel eher zu begeistern - in diesem Fall war ich aber gar nicht sonderlich Shopping-erpicht. Im März hatte ich erst einige Kleidungsstücke gekauft und insgesamt nicht das Gefühl, dass meine Garderobe größere Lücken aufweist. Also machte ich den Gegenvorschlag, einfach ein wenig Aachen zu besichtigen - dort war ich meines Wissens nur einmal, und zwar irgendwann in den frühen 80ern, also vermutlich mit weniger als zehn Jahren. Da konnte ein Update nicht schaden.

In Aachen angekommen fuhren wir allerdings als erstes nach Vaals - der niederländische Ort grenzt unmittelbar an die Stadt, so dass man kaum merkt, dass man die Grenze überschritten hat. Im Supermarkt Albert Heijn befriedigten wir typisch deutsche Bedürfnisse nach Spekulatius-Brotaufstrich, niederländischer Schokolade und Stroopwaffeln, ein in Deutschland nicht erhältliches Ben & Jerry's Eis mussten wir in Ermangelung einer Transportmöglichkeit traurig zurücklassen. Diese Aachener haben es gut!


Erst anschließend ging es in die Aachener Innenstadt, wo wir den Dom besichtigten und uns durch die bei Sonnenschein sehr belebten Innenstadtgassen treiben ließen. Die Tatsache, dass der Tag so schön war und die Menschen erleichtert darüber, dass der Winter nun doch endlich vorbei zu sein scheint, trug sicherlich etwas zur Stimmung bei, dennoch hinterließ Aachen auch wegen seiner schönen Straßen und zahlreichen Brunnen bei mir einen überaus positiven Eindruck.

Als wir uns dann um halb 8 zur "Raststätte" begaben, waren wir zunächst verwirrt: Nicht nur schienen wir die ersten Konzertgäste überhaupt zu sein, man reagierte auch einigermaßen überrascht darüber, dass wir bereits da waren. Schnell zeigte sich: Die überall vermerkte Anfangszeit 20 Uhr war der Einlassbeginn. Nachdem wir den bescheidenen Eintritt bezahlt und Getränke nahe am Selbstkostenpreis erworben hatten, mussten wir also noch lange warten. Wir hatten somit viel Zeit, die Betreiber (alle sehr freundlich und, wenn man die Preise bedenkt, sicher ehrenamtlich vor Ort) sowie die langsam eintreffenden Gäste (vielfach erstaunlich hipsterig) zu beobachten, bevor das Konzert dann gegen 21 Uhr losging.


Beim Namen "Raststätte" hatte ich mich zunächst gefragt, ob man mit so einem Lokalnamen nicht Missverständnisse gerade bei ausländischen Gästen und Musikern hervorruft - die dann gegebenenfalls wirklich zu einer Raststätte fahren und sich dann unsicher sind, ob sie in "Aachen Nord" oder "Aachen Süd" auftreten sollen. Diese Raststätte ist in jedem Fall ein ehemaliges Ladenlokal, das eher notdürftig mit einer Bar und einer Bühne ausgestattet ist. Neben Konzerten gibt es hier auch diverse Poetry und Song Slams. Da es im Inneren im Vergleich zum Frühlingstag draußen eher kühl war, holten sich die meisten Gäste zunächst innen Getränke und warteten die Zeit bis zum Konzertbeginn draußen im Warmen ab. Insgesamt kamen um die vierzig Besucher, die den kleinen Raum ganz gut füllten.

Kraków Loves Adana ist ein Duo aus Hamburg, wobei das Songwriting zumindest des neuesten Albums "Songs After the Blue" komplett bei der Sängerin Deniz Çiçek liegt, die in ihren Songs diverse Einflüsse verarbeitet - beim Aachener Konzert wurden diese praktischerweise auch meist gleich mit dazu erklärt. Çiçek und ihr Mitmusiker Robert Heitmann spielten zu Beginn beide Gitarre, während die Beats und andere Klänge eingespielt wurden. Çiçek trug einen hellblauen Anzug, den ich später im Video zu "The Day the Internet died" wieder erkannte. Vielleicht ja auch ein Verweis auf den Albumtitel? Heitmann betreibt das Label "Better Call Rob", bei dem sämtliche Alben erschienen sind und war komplett in schwarz gekleidet.


Los ging es mit "Darkness Falls", bei dem Çiçeks tiefe Gesangsstimme noch recht unsicher und teils auch schief klang, was aber ab dem zweiten Lied "False Alarm" viel besser wurde. "Beautiful Lie" hatte sie geschrieben, als sie erfuhr, dass Kristen Stewart sich von Soko getrennt habe - ein Ereignis, das ich nach dem Konzert erst einmal nachgooglen musste. "Never Quite Right" ist ein Bokowski-Zitat, "Rapture" eine Hommage an die Musikkassette. In der aufgenommenen Version des Liedes singt Çiçek parallel zu ihrer gewohnt tiefen Stimme teilweise sehr hoch, so dass mein Freund sich schon im Vorfeld gefragt hatte, wie sie das wohl live bewerkstelligen würde und ob die höhere Stimme eventuell eingespielt werden würde. Live ließ sie die hohen Passagen aber einfach weg und wälzte sich zum Ausgleich am Ende des Songs Gitarre spielend auf dem Boden.


Wenn mir jemand von dem Wälzen erzählt hätte, hätte ich es vermutlich als potenziellen Fremdschäm-Moment betrachtet - derart große Gesten auf einer kleinen Bühne können ja leicht albern wirken. In diesem Fall empfand ich das aber gar nicht so, irgendwie passte es zu Song und Situation.

Zu "Not another sad Guitar" wechselte sie, gewissermaßen der Logik des Titels nachkommend, für einige Lieder ans Keyboard. "Hamburg" widmete sie der Stadt, die sie "so liebt aber auch so hasst". Dieses Lied wie auch das darauf folgende "The Day the Internet Died" stammen vom neuen, deutlich elektronischeren Album, und für diese beiden Songs wechselten beide Musiker an die Keyboards.


"Follow the Voice" wurde als neues Lied angekündigt und ist möglicherweise so brandneu, dass es nicht einmal auf dem aktueller Album ist. "Illusion of Control", für das Çiçek an die Gitarre zurück kehrte, nimmt in Inhalt und auch Stil Bezug auf Ian Curtis und Joy Division, wurde aber statt dem Musiker dessen Frau gewidmet.

Damit war das kurze Konzert dann schon fast vorbei, die Band verließ die Bühne und zumindest mein Freund rechnete mit einem nun folgenden ausgiebigen Zugabenteil mit mindestens drei Liedern, etwa "Youth Unspoken", "Once in July" oder etwas vom zweiten Album "Interview". Çiçek kehrte aber allein für nur eine Zugabe zurück: "Surrender" ein Cover der Band Suicide.


Vielleicht spielen die beiden ja mehr, wenn wir sie ein weiteres Mal sehen, denn das kurzweilige Konzert ging allzu schnell vorbei.

Setliste:

Darkness Falls
False Alarm
Beautiful Lie
Never quite right
Rapture
American Boy
Not another sad guitar
Hamburg
The day the internet died
Follow the Voice
Illusion of Control

Surrender (Suicide cover)

Seit 2011 gab es nichts Neues von Ladytron, also genug Grund, sich zu fragen, ob da überhaupt noch etwas kommt. Die Antwort lautet "...


Seit 2011 gab es nichts Neues von Ladytron, also genug Grund, sich zu fragen, ob da überhaupt noch etwas kommt. Die Antwort lautet "Ja", 2018 erscheint in der zweiten Jahreshälfte ein neues Album. Hören kann man bereits die neue Single "The Animals", zu der im zugehörigen Film (nicht "Video") offenbar ein gleichnamiger Roman von Fernando Nogari umgesetzt wird:

(...) the film for ‘The Animals’ follows the trajectory of a group of young people on a sensory, violent and joyous trip through the underworld of megalopolis São Paulo - a snapshot of Brazil’s dark contemporary moment.

Jedenfalls schön, dass es Ladytron wieder gibt, damit hatte ich schon gar nicht mehr gerechnet.

Im März passierte etwas aus meiner Sicht ziemlich Spannendes, ich gesellte mich nämlich unter die Brillenträgerinnen. Schon seit mehreren Ja...

Im März passierte etwas aus meiner Sicht ziemlich Spannendes, ich gesellte mich nämlich unter die Brillenträgerinnen. Schon seit mehreren Jahren überlege ich hin und her, ob meine langsam nachlassende Sehkraft eine Brille erfordert. Ich habe in dieser Zeit an mehreren betriebsärztlichen Augenuntersuchungen teilgenommen (das Ergebnis war stets grenzwertig, so dass mir letztlich keine Arbeitsplatzbrille verordnet wurde) und war auch einmal beim Augenarzt, was hauptsächlich zu der Erkenntnis führte, dass man es als Kassenpatientin vermeiden sollte, offen zuzugeben, dass man nur gekommen ist, um zu erfahren, ob man eine Brille benötigt - ich wurde jedenfalls ziemlich lieblos abgefertigt und erfuhr hinterher von der Betriebsärztin, dass das die Regel sei.


Inzwischen beschloss ich dann doch, dass es ja nicht schaden könnte eine Lesebrille zu haben. Ich hatte einen Artikel über die schweizerische Brillenkette Viu gelesen, den ich recht spannend fand. Anscheinend ist ein erheblicher Preistreiber im Brillengeschäft, dass so gut wie alle beim regulären Optiker erhältlichen Gestelle aus derselben Fabrik in Italien stammen - egal, welcher Markenname letztlich auf dem Bügel steht. Viu stellt seine Brillengestelle selbst her und verlangt für eine Einstärkenbrille nur 165 Euro.

Allerdings hatte ich noch gar keinen Brillenpass, der Augenarzt hatte nur eine Dioptrinzahl aufgeschrieben, sich mit anderen Werten aber gar nicht erst befasst. Viu bietet in verschiedenen Städten Sehtests an, aber Frankfurt gehört leider nicht dazu. Nun könnte man natürlich einfach zu Fielmann, Apollo oder einem beliebigen anderen Optiker gehen, seine Augen testen lassen, dann Unentschlossenheit bezüglich der Brillenwahl vortäuschen und mit dem Brillenpass direkt zu Viu marschieren. Das erschien mir aber als unmoralisch - ich lasse mich relativ ungern in Geschäften beraten, aber wenn ich eine Beratungsleistung in Anspruch nehme, möchte ich das auch durch einen Kauf honorieren.


Also ging ich stattdessen zu Ace & Tate.  Das Konzept dieser Kette ist in etwa identisch, allerdings stammt sie aus den Niederlanden und eine Brille kostet sogar nur 98 Euro - und man bietet in Frankfurt Sehtests an. Ich vereinbarte online einen Termin für eine Mittagspause. Die Frankfurter Filiale befindet sich direkt gegenüber vom Frankfurter Hof, die in Köln in einer Seitenstraße der Ehrenstraße, beides erstklassige Lagen. Die Geschäfte selbst sind auch so edel gestaltet, dass ich von außen nie im Leben vermutet hätte, es mit einem Billigladen zu tun zu haben. Vermutlich hätte ich mich gar nicht hineingetraut.

Im Inneren des Geschäfts arbeiteten an diesem Tag ausschließlich junge Frauen unter 25 Jahren. Da ich auf den Sehtest noch ein paar Minuten warten musste, sah sich eine von ihnen schon einmal mit mir die vorhandenen Gestelle an. Die Auswahl war deutlich kleiner als bei Fielmann, insgesamt gibt es vielleicht 50 verschiedene Gestelle, häufig in mehreren Farben. Ich fand diese relativ eingeschränkte Auswahl aber sehr gut, denn da ich überhaupt nicht wusste, was ich möchte, wäre ich mir sonst schnell verloren vorgekommen. Die Kundenberatern ließ mich diverse Gestelle ausprobieren, lehnte einige gleich von sich aus ab (etwa, wenn das Gestell breiter war als mein Kopf) und fragte bei anderen nach meiner Meinung. Schnell waren wir uns einig, dass ich mich entweder für "Lily" oder für "Nina" entscheiden sollte.

Dann war es erst einmal Zeit für meinen Sehtest, bei dem generelle Weitsichtigkeit und auch eine Hornhautverkrümmung festgestellt wurde. Um die Ergebnisse festzuhalten, musste ich gleich vor Ort auf einem iPad ein Kundenkonto anlegen, in dem meine Werte festgehalten wurden. Dann ging ich wieder hinaus, verglich nochmals die beiden Lieblingsgestelle und entschied mich letztlich für "Nina" in der Farbe Alderwood.


An der Kasse wurde gleich wieder auf mein Kundenkonto zugegriffen, um die Bestellung festzuhalten. Zu meiner Beruhigung folgte nun nicht der Verkaufsprozess, den ich als Begleiterin schon bei Fielmann erlebt hatte - dass nämlich nach der Entscheidung für ein Gestell noch diverse Anschlussfragen zu den Gläsern hinsichtlich Dicke, Entspiegelung und so weiter folgten, was dann den endgültigen Kaufpreis enorm nach oben trieb. Nur zwei Zusatzleistungen bot man mir an: Für 20 Euro mehr empfahl man mir einen Blaulichtfilter, der diese Lichtkomponente aus dem Bildschirm- und Handylicht herausfiltert (das nahm ich an), außerdem bot man mir an, für weitere 20 Euro extra die fertige Brille noch am selben Tag abzuholen (das lehnte ich ab).

Die reguläre Lieferzeit einer Ace & Tate-Brille beträgt etwa 14 Tage, wobei man sie entweder nach Hause oder ins Ladengeschäft liefern lassen kann. Ich entschied mich fürs Geschäft, um die Brille gleich vor Ort anpassen lassen zu können. Nach etwa einer Woche erhielt ich eine E-Mail und konnte die Brille abholen.

Ich finde es tatsächlich angenehm, meine neue Brille beim Lesen und beim Arbeiten am Laptop zu tragen. Zwingend notwendig ist es allerdings nicht. Etwas irritierend ist die Korrektur der Hornhautverkrümmung, denn wann immer ich die Brille auf- oder absetze erscheinen mir Rechtecke zunächst "falsch" geformt. Ace & Tate würde ich allen, die eine schöne Brille ohne viel Drumherum zu einem sehr fairen Preis suchen, wärmstens empfehlen - ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass man als langjähriger Brillenträger gegebenenfalls lieber zum Optiker seines Vertrauens geht.

Als Kind fand ich, wie vermutlich die meisten Kinder, Piraten super und Wikinger, die ja irgendwie etwas Ähnliches zu sein schienen, ebenfal...

Als Kind fand ich, wie vermutlich die meisten Kinder, Piraten super und Wikinger, die ja irgendwie etwas Ähnliches zu sein schienen, ebenfalls. In Kinderbüchern wird auf den kriminellen und Leben zerstörenden Aspekt dieser Berufsstände verständlicherweise wenig eingegangen, stattdessen geht es um Ausflüge auf dem Meer und Abenteuer erleben.

Bei Game of Thrones ist es as Adelsgeschlecht der Greyjoys, das auf seinen Heimatinseln weder Rohstoffe noch fruchtbaren Boden besitzt und sich deshalb darauf spezialisiert hat, Schiffe zu bauen und andere auszurauben (und Schlimmeres). Die Greyjoys sind weder bei anderen Häusern noch beim Leser besonders beliebt - verständlich.

Wo wir aber gerade bei Game of Thrones sind: Im Kielwasser des gigantischen Erfolgs dieser Fernsehserie entstand 2013 die irisch-kanadische Koproduktion Vikings, die lustigerweise zunächst auf dem History Channel lief. Mittlerweile kann man die Serie, von der es fünf Staffeln gibt und eine sechste geplant ist, auch auf Sky sehen.


Die Handlung von Vikings orientiert sich sowohl an historischen Ereignissen als auch an Legenden: Die Hauptfigur Ragnar Lothbrok ist in der schwedischen und dänischen Folklore ein bekannter Wikingerheld, dessen historische Existenz nicht belegt ist. Historisch korrekt ist allerdings beispielsweise der Überfall der Wikinger auf die Insel Lindisfarne in Northumberland, der in der ersten Staffel der Serie stattfindet und historisch den Beginn des Wikingerzeitalters darstellte. Ragnars Frau wiederum, die Schildmaid Lagertha, entstammt ebenfalls der Sagenwelt. Sein Bruder Rollo andererseits ist eine historische Figur, die wohl irgendwann im Laufe der Serie die Normandie gründen wird (wenn das denn im Rahmen der Handlung umgesetzt wird).

Fakten und Fiktion gehen bei Vikings also wild durcheinander. Die eigentliche Handlung dreht sich um Ragnar und seine Familie - der Wikinger entdeckt eine Möglichkeit für sein Volk, das bislang seine Plünderreisen auf die baltischen Länder beschränkt hat, nach Westen zu reisen - was bislang an der unsicheren Navigation gescheitert war. Dadurch erlangt er Ruhm, was dem "Yarl", also politischen Oberhaupt seines Heimatortes, nicht sonderlich gut gefällt, da er den jungen Wikingerhelden zurecht als Konkurrenz wahrnimmt.


Im März sah ich die erste Staffel komplett und den Anfang der zweiten. Die Ausstattung und die Schauspieler sind so weit in Ordnung (wobei das Budget für die zweite Staffel offensichtlich deutlich aufgestockt wurde), die Einblicke ins fremde Alltagsleben der Wikinger interessant. Mit Game of Thrones oder anderen Serien der ersten Liga kann Vikings aber ganz klar nicht mithalten, dafür sind Figuren und Handlungsstränge zu eindimensional. Es handelt sich eher um Popcorn-Fernsehen.

Ein weiteres Problem, das ich mit der Serie habe, ergibt sich aus dem Anfang dieses Textes: Ich finde es sehr schwer, Wikinger, die davon leben, andere zu ermorden und auszurauben, sympathisch zu finden - was man aber muss, denn sonst wären einem die handelnden Figuren ja egal. Die Macher der Serie scheinen dieses Problem dadurch zu bekämpfen, dass die bisher vorgekommenen Engländer auch allesamt eher keine Sympathieträger waren.




Im März hörte ich nur ein Buch fertig, nämlich Doing Harm  von Kelly Parsons. Das Buch hatte ich mir bei Audible ausgesucht, und zwar wegen ...

Im März hörte ich nur ein Buch fertig, nämlich Doing Harm von Kelly Parsons. Das Buch hatte ich mir bei Audible ausgesucht, und zwar wegen Stephen King: Nachdem ich letzten Monat so begeistert über den Thriller The Wicked Girls gewesen war, hatte ich nämlich auf der Bücherplattform Goodreads entdeckt, dass Stephen King (der Stephen King) ein Goodreads-Profil hat und darüber von ihm gelesene Bücher kommentiert. The Wicked Girls fand er wie ich toll, also dachte ich, dass seine anderen Tipps sicher auch interessant sein könnten - und gleich der oberste war Doing Harm. Herr King schrieb, es handele sich um den besten „medical thriller“, den er in den letzten Jahren gelesen hätte - ein hohes Lob, und da ich aus dem Genre sonst nur Koma kenne (als Spielfilm), bin ich vermutlich ohnehin leicht zu beeindrucken.

Dachte ich, denn zu meiner Überraschung hatte ich an Doing Harm dann eher viel zu meckern. Gut gefiel mir alles, was mit den Abläufen im Krankenhaus und im Operationssaal zu tun hatte. Kelly Parsons ist Chirurgin, und man merkt dem Buch an, dass es von jemand geschrieben wurde, der sich mit Krankenhäusern, dem Karriereprozess von Ärzten und medizinischen Problemen gut auskennt.

Problematisch fand ich dagegen als erstes die Hauptfigur - Stephen, ein zu Beginn der Geschichte ausgesprochen erfolgreicher Assistenzarzt, ist leider so gar nicht sympathisch. Teils ist das sicherlich beabsichtigt, denn zum einen stolpert er zu gleich am Anfang über seinen Solz und seine Arroganz, zum zweiten hat er, als er in Schwierigkeiten gerät, nicht allzu viele Kollegen zur Auswahl, die er ins Vertrauen ziehen könnte - was wichtig für die Handlung ist. Als Leserin ist es aber schwer, Mitgefühl für diesen eingebildeten Nachwuchschirurgen zu empfinden, der eine blöde Entscheidung nach der anderen fällt.


Dann wäre da noch die Handlung an sich: Stephen macht bei einer Operation einen dummen Fehler, der seine Patientin in Lebensgefahr bringt. Ein anderer von ihm operierter Patient entwickelt nach der OP Komplikationen, an denen er letztlich stirbt und für die Stephen zur Verantwortung gezogen wird. Bald stellt sich aber heraus, dass jemand aus seinem Kollegenkreis aktiv gegen ihn arbeitet, dabei über Leichen geht und die Schuld auf ihn abwälzt, ohne dass er viel dagegen tun könnte - weil ihm, wenn er die Wahrheit sagte, sowieso niemand glauben würde.

Ich fand die Wahrheit aber beileibe nicht so unglaublich, dass ich es für chancenlos gehalten hätte, mit einem Vorgesetzten darüber zu sprechen. Kelly Parsons vielleicht auch nicht, so dass sie Stephen zusätzlich erpressbar macht. Dass er sich aber hartnäckig weigert, seiner Frau, zu der immer wieder gesagt wird, wie krisenfest sie sei, die Wahrheit zu sagen, erscheint mir schon ziemlich idiotisch, zumal er sie und die gemeinsamen Kinder damit ebenfalls in Gefahr bringt. Und dann wäre da auch der letztlich doch noch gefundene Verbündete aus dem Kollegenkreis, der sich als geradezu unglaubwürdig perfekt erweist...

Nein, mich konnte Doing Harm nicht überzeugen. Ganz schlimm (im Sinne von blass und klischeehaft) sind übrigens auch sämtliche Frauenfiguren, was bei dem Roman einer Autorin überrascht. Fazit: Stephen King schreibt gute Thriller, aber seinen Geschmack bei anderen Büchern teile ich offensichtlich nur bedingt.

Komplette Neuerung im Sendeschluss-Prozess: Ich glaube, ich habe ein Video verstanden! Ich würde nämlich einfach behaupten, dass ...



Komplette Neuerung im Sendeschluss-Prozess: Ich glaube, ich habe ein Video verstanden! Ich würde nämlich einfach behaupten, dass die in diesem Video erzählte Geschichte über zwei Augen, die sich, während ihr Besitzer schläft, ohne diesen einen schönen Tag machen, eine phantasievolle Darstellung des Träumens ist: Der Mensch schläft, das Erleben geht weiter. Toll, oder?




Vielleicht mache ich nächstes Jahr eine Rundreise durch verschiedene nordamerikanische Nationalparks. Wenn ich dabei so viele putzige T...


Vielleicht mache ich nächstes Jahr eine Rundreise durch verschiedene nordamerikanische Nationalparks. Wenn ich dabei so viele putzige Tiere zu sehen bekomme wie die Reisenden in diesem Video, und auch ähnlich spektakuläre Landschaftsszenen, bin ich vollauf zufrieden.




Premiere bei einem Besuch der Hausener Brotfabrik: Obwohl wir dort im Laufe der Jahre sicherlich schon fünfzehn Konzerte besucht hatten, ...


Premiere bei einem Besuch der Hausener Brotfabrik: Obwohl wir dort im Laufe der Jahre sicherlich schon fünfzehn Konzerte besucht hatten, betraten wir am Dienstag zum ersten Mal das zugehörige Restaurant, in dem zu meiner freudigen Überraschung auch eine Katze arbeitet. Oder zumindest gelegentlich durchläuft. Im Gastraum saß auch die Band und stärkte sich vor ihrem Auftritt - was gut war, denn so mussten wir uns nicht allzu viele Sorgen machen, als wir etwas länger aufs Essen warten mussten: So lange die Band noch da sitzt, kann man ja nichts verpassen.

Ach ja, die Band. Vor einigen Jahren war es, wenn Tobias Siebert auf der Bühne "Die Band bespricht sich kurz" sagte, noch ein Witz. Das ursprüngliche Konzept seines Projektes And the Golden Choir war ja gerade, dass er keine Band hatte, sondern auf der Bühne mit vorab komplett von ihm eingespielten Schallplatten hantierte. Der Wechsel ist immer noch ungewohnt, dabei hatten wir ihn bereits vor einem guten Jahr, ebenfalls in der Brotfabrik, mit voller Bandbesetzung erlebt.


Und da saßen sogar noch mehr Leute am Tisch, denn die Vorband war an diesem Abend wirklich eine solche (bei der ersten Tour hatte diesen Part konsequenterweise eine Plattenseite übernommen, zuletzt der Solokünstler BAYUK), ein Trio namens "Danube". Da ich über zehn Jahre in Regensburg gelebt habe, weiß ich natürlich, dass "Danube" der englische Name der Donau ist und wunderte mich im Vorfeld über diesen Bandnamen. Tatsächlich scheint die Band, oder zumindest die Sängerin Stella Lindner, von Flüssen geradezu besessen zu sein: Der erste Song, den wir hörten, als alle sich im Konzertraum eingefunden hatten, hieß offenbar wie die Band und begann mit den Worten "Danube is where I come from...". Das letzte Lied enthielt den Refrain "A river runs through me", und zwischendurch äußerte Stella mit einem Augenzwinkern Bedauern darüber, in Frankfurt überhaupt nicht den Main gesehen zu haben.


Die recht ruhigen Songs wurden von einem Keyboarder (Daniel Moheit, der auch bei And the Golden Choir mitspielt) und einem Schlagzeuger (Filip Pampuch) begleitet, wobei mich der Gesang ehrlich gesagt am wenigsten überzeugte. Sehr lustig war allerdings die Aussage der Sängerin, es gäbe noch kein Album zu kaufen, sie habe aber Wundertüten gebastelt, die am Merchandies verkauft werden würden, es sei aber erst eine fertig - wenn mehr als ein Zuhörer eine wollte, müsse sie also noch schnell weitere gestalten.


Tobias Sieberts Band hat sich seit 2016 nicht verändert: Johanna Weckesser spielt hauptsächlich Gitarre, Daniel Moheit Keyboard, Daniel Spindler Bass und diverse andere Instrumente und Tilo Weber Schlagzeug. Siebert trägt bei der neuen Tournee nun statt eines schwarzen Wollpullovers oder Mantels einen ebenso schwarzen Kaftan mit Intarsienmuster - es würde mich wirklich interessieren, wo man so etwas kaufen kann.

Vieles ist, wie die Band, gegenüber früheren Auftritten gleich geblieben: Das mit auf die Bühne gebrachte Rotweinglas, die Ansammlung von kuriosen Musikinstrumenten, das liebevoll gestaltete Programmheft, einige Möbelstücke (es sind allerdings weniger geworden, beispielsweise ist die Tischlampe nicht mehr dabei - der quietschende Rollwagen ist zur Freude meines Freundes aber noch im aktuellen Lineup) und auch die Tatsache, dass eher wenig gesprochen wird - im Hauptteil genau zwei Worte, nämlich "Vielen Dank". Tatsächlich hatte ich dieses Mal noch mehr den Eindruck, dass die volle Konzentration aller auf der Bühne der Musik und den Arrangements galt - alle hatten recht viel zu tun, da ja diverse Instrumente zum Einsatz kamen und dabei auch nicht immer von derselben Person bedient wurden - und schlicht keine Zeit blieb, sich auch noch ausführlich dem Publikum zu widmen - ähnlich wie bei The Notwist.


Offensichtlich hat sich Herr Siebert im Laufe des vergangenen Jahres ein paar weitere seltene Instrumente gekauft - man kann sich regelrecht vorstellen, wie er ständig bei eBay Kleinanzeigen und einschlägigen Flohmärkten sucht. Definitiv neu war eine Tröte, die erstmalig bei "My Lies" zum Einsatz kam und auch in "Joker" vielfache Anwendung fand. Bei "Clocks" trommelten Seibert und Daniel Spindler gemeinsam auf etwas, das für mich wie die Miniaturausgabe des Sportgeräts "Kasten" aussah, aber in Wirklichkeit eine Schlitztrommel war.


Ebenfalls neu ist ein Arrangement aus drei hängenden Zylindern, das ich naiv für ein Windspiel gehalten hätte. Bei "Air Fire Water" wurden die drei Zylinder nacheinander "ausgewischt", anschließend zeigte Siebert jeweils auffordernd auf das Publikum, das folgsam einmal im Rhythmus klatschte. Auch eine Drehleier hatte ihren größten Einsatz bei "How to Conquer a Land". Insgesamt wurde das aktuelle Album "Breaking with Habits" komplett gespielt.

Die relative Sprachlosigkeit schlug aber zum Ende hin ins Gegenteil um: Zunächst erklärte Siebert, worum es in "Hunter of Souls" geht, nämlich um einen Mann, der sich mit Frauen trifft und deren Menschlichkeit raubt, um selbst menschlich agieren zu können (so habe ich es zumindest verstanden) - der Song sei nicht autobiographisch, fügte er schnell noch zur Sicherheit hinzu.


Der Frankfurter Termin war nämlich der letzte nach zehn der aktuellen Tour und vor einer einmonatigen Pause, weshalb nicht nur die Band besonders liebevoll vorgestellt wurde (nehme ich zumindest an), sondern Siebert dann doch noch viel zu erzählen hatte: Übers Heimkommen nach der Tour und das Drehen der Waschmaschine, über Frankfurt, das er, als er noch im Dreikönigskeller auftrat, bedrückend fand, nun aber gerne mag, und über den Flughafen, an dem er im Vorbeifahren immer eine Aussichtsplattform sieht, aber nie herausbekommt, wo man von der Autobahn abfahren müsste, um diese erreichen zu können.


Ursprünglich waren wir einmal guter Hoffnung, Siebert und seine Schallplatten irgendwann für ein Wohnzimmerkonzert einladen zu können. Mittlerweile ist das dank realer Band recht unwahrscheinlich geworden, immerhin lässt das Programmheft aber einen kleinen Hoffnungsschimmer, denn dort steht über das Arrangement mit Band: "Zeit, auch das Konzertkonzept zu brechen. Nicht für immer! Aber für jetzt." Zugeben muss ich allerdings, dass sowohl mir als auch meinem Freund der Sound und die Atmosphäre mit Band noch besser gefallen - so schlecht das auch für unsere Wohnzimmerhoffnungen sein mag.


Tatsächlich waren die Angaben beim anschließenden Gespräch am Merchandisestand relativ vage, wie mein Freund am nächsten Tag scherzhaft zusammenfasste: "Wenn wir Support sind, wenn Tobias die Platten dabei hat, wenn wir einen Day Off haben, wenn es nicht regnet, wenn die Quersumme aus Tag und Monat durch 3 teilbar ist..."

Bleibt nur noch, ein möglichst seltenes Instrument zu besorgen, um And the Golden Choir vielleicht doch noch in den Westerwald zu locken. Mein Freund googlet bereits nach Bauanleitungen für ein walisisches Crwth und ein Hydraulophon...

Setliste:

The Jewelry
My Lies
Clocks
The Transformation
My Brother's Home
My Heaven Is Lost
Air Fire Water
The Queen of Snow
Choose to Lose
Joker
It's Not My Life
How to Conquer a Land
The Garden
The Distressed Jeans

The Rain
Hunter of Souls
Into The Ocean

Angelina
In Heaven




Liebe Editors, wisst ihr noch? Nein, wisst ihr unter Garantie nicht. Es muss 2005 gewesen sein, da gabt ihr als junge, aufstrebende New...


Liebe Editors, wisst ihr noch? Nein, wisst ihr unter Garantie nicht. Es muss 2005 gewesen sein, da gabt ihr als junge, aufstrebende Newcomer ein Konzert im vergleichsweise winzigen Mousonturm in Frankfurt. Ich hatte gerade erst Euer erstes Album "The Back Room" gehört, war bezaubert von "Munich" und all den anderen tollen Liedern... und erlebte ein Konzert, das in meiner Erinnerung seinesgleichen sucht. Ich kaufte mir sogar hinterher ein T-Shirt - vermutlich das letzte Bandshirt, das ich bislang gekauft habe.


Es folgten mit den Jahren diverse weitere Konzertbesuche - wenn ich richtig gezählt habe, waren es insgesamt acht. Zwischenzeitlich sind auch fünf weitere Alben erschienen, zuletzt Euer neues Werk "Violence". Ehrlich gesagt mag ich nach "The Back Room" aber am liebsten das darauf folgende "An End has a Start", Eure Ausflüge in Synthie-Gefilde haben mich weniger überzeugt - und U2 gibt es schon, da muss man kein Imitationslied wie "A Ton of Love" veröffentlichen. Und Euer neues Werk "Violence" ist, nun ja, gewöhnungsbedürftig.

Dennoch freute ich mich auf Euer Konzert im Wiesbadener Schlachthof: Es würden ja nicht nur neue Songs gespielt werden, und "Smokers Outside the Hospital Doors" ist auf jeder Setliste gesetzt. Tom Smiths Gestik und Mimik ist mit den Jahren ein wenig vorhersehbar geworden, aber irgendwie hat ja jeder seinen persönlichen Stil.


Zunächst sahen wir aber Eure Vorband Public Service Broadcasting, die ich bereits vor vier Jahren als Vorband der Manic Street Preachers gesehen hatte. Aus dem Duo ist mittlerweile ein Trio (mit Schlagzeuger) geworden, und die Videoleinwand war im Wiesbadener Schlachthof deutlich größer als auf der kleinen Bühne des Gibson-Clubs. Beibehalten hat man das grundsätzliche Konzept, elektronische Musik zwischen Kraftwerk und Mogwai zu machen und dazu thematisch passende, ältere Bildungsfilme zu zeigen, etwa zur Raumfahrt, dem Bergbau oder dem Eisenbahnverkehr.


Mir gefiel das Ganze besser als vor den Manics, vielleicht auch, weil die Band etwas "normaler" geworden ist. Zwar tippt man seine Zwischenansagen immer noch gerne in ein Tablet, sagte aber auch einige Sätze ganz normal ins Mikrophon.

Setliste:

People Will Always Need Coal
Progress
?
Night Mail
Spitfire
All Out
Go!
Gagarin
Everest


Hinter Public Service Broadcasting verbarg ein Vorhang die restliche Bühne, so dass man gespannt sein konnte, was sich dahinter verbarg. Um Punkt 9 lüftete er sich und gab preis, dass die Bühnendekoration aus metallisch wirkenden, aber sicherlich extrem leichten Skulpturen bestand. Das sah sehr schön aus. Und da wart auch schon Ihr Editors auf der Bühne. Los ging es gleich einmal mit einem neuen Song - "Hallelujah (So Low)", gefolgt von der U2-Imitation "A Ton of Love" - beides keine meiner Favoriten, und es ging dann auch weiter mit Songs vom neuen Album, was einerseits verständlich war, man will sein neues Material ja live präsentieren - aber meine Begeisterung hielt sich in Grenzen.


Du, Tom Smith, trugst ein sehr großes schwarzes Hemd und darüber zunächst eine Jeansjacke, die restliche Band war ebenfalls schwarz gekleidet. Bei den vielen "Ohohos" und "Aahahas" der neuen Platte hatten auch deine Kollegen an Bass und Keyboard viel mitzusingen, außerdem animierten sie das Publikum zum Mitklatschen - taten das aber weniger penetrant als ich bei den jüngsten Konzerten erlebt hatte.

"Violence", der Titelsong von, genau, "Violence" bot leider den Tiefpunkt des Sets, ging aber zumindest sehr schön und nahtlos in "No Harm" über, mit dem bei der letzten Tour Eure Konzerte häufig eröffnet wurden. Auf der aktuellen Setliste leitet der Song zumindest den Programmteil mit den besten Liedern ein. Justin Lockey bearbeitete dazu seine Gitarre mit einem Drumstick. Es folgten "Lights", "Blood", "An End has a Start", dann sogar "Munich"... plötzlich machte alles viel mehr Spaß, selbst wenn zu meinem Entsetzen "Smokers Outside the Hospital Door" in der neuen Setliste keinen Platz gefunden hatte. Was habt Ihr Euch dabei denn gedacht, Editors? Vor allem, wenn Ihr parallel darauf besteht, das wirklich sehr nervige "Eat Raw Meat = Blood Drool" seit mehreren Jahren bei jedem Konzert zu spielen!


Kurz vor dem Ende des Hauptteil wurde es mit "Racing Rats" nochmals nostalgisch (und gut), zum Finale spieltet ihr "Ocean of Night", das Tom allein an der Gitarre begann. Die Zugabe folgte quasi sofort und begann mit "No Sound but the Wind" - in Belgien schon lange ein Hit und wohl auch für immer im Liveset. Aktuell trägt Tom Smith es allein vor.  Auch die wirklich nicht sehr gute Stampfnummer "Papillon" war weiterhin auf der Setliste, wurde aber in Wiesbaden zugegebenermaßen vom Publikum so abgefeiert, dass ich anerkennen muss: Das müsst ihr wohl immer spielen, auch wenn weder meine Begleiter noch ich den Erfolg des Songs nachvollziehen konnten.


Mit "Marching Orders" endete dann dieses Konzert, und ich muss Euch, den Editors sagen: Ihr habt doch so viele tolle Songs, aber wo waren die meisten davon auf der Setliste? Gut, das neue Album müsst ihr wohl spielen (nur ein Lied daraus fehlte), aber es gibt eben auch diverse Setlisten-Nieten, die ihr seit Jahren von Tour zu Tour mitschleift. Lasst die doch alle einmal weg!


Im Sommer sehen wir uns schon wieder, denn dann sind wir alle zusammen in London und feiern das Jubiläum von The Cure. Ihr werdet dann als Vorband einen viel kleineren Slot für Euer Konzert im Hyde Park haben, also wäre das wirklich einmal ein guter Anlass "Eat Raw Meat" und ein paar andere mit Schwung aus der Setliste zu schmeißen. "Ocean of Night" könnt ihr drin lassen, ruft dann aber bitte Rachel von Slowdive dazu auf die Bühne, sie wird nämlich ebenfalls vor Ort sein. Und wenn Ihr mich nicht ärgern wollt, findet Ihr auch fünf Minuten für "Smokers".

So, wie sehen uns im Juli. Bis dann!

Setliste:

Hallelujah (So Low)
A Ton of Love
Darkness at the Door
Formaldehyde
Violence
No Harm
Lights
Blood
Munich
An End Has A Start
In This Light and on This Evening
Eat Raw Meat = Blood Drool
Nothingness
Belong
Sugar
The Racing Rats
Ocean of Night

No Sound but the Wind
Cold
Magazine
Papillon
Marching Orders