Ich bin sicher nicht die einzige, die bei Routinetätigkeiten nicht immer voll bei der Sache ist. Irgendwann las ich, dass Autofahrer, die tä...

Ich bin sicher nicht die einzige, die bei Routinetätigkeiten nicht immer voll bei der Sache ist. Irgendwann las ich, dass Autofahrer, die täglich dieselbe Strecke fahren, sich hinterher an so gut wie nichts erinnern können. Ähnlich geht es mir natürlich beim Zugfahren: Täglich steige ich in den ICE und wieder aus, in den wenigsten Fällen könnte ich hinterher zur Fahrt irgendetwas erzählen.

Insofern war ich anlässlich einer kürzlichen Reise auch durchaus problembewusst. Ich fuhr morgens mit Koffer ins Büro und wollte Abends mit Gepäck nach Berlin fahren. Es galt also, sich beim Aussteigen daran zu erinnern, dass ich einen Koffer dabei hatte, und außerdem am Abend nicht den gewohnten Zug zu nehmen sondern einen anderen. Sollte zu schaffen sein, ich bin ja schon groß.

Morgens im Zug surfte ich mit dem für die Reise eingepackten iPad, stieg in Frankfurt wie gewohnt aus und dachte mir, "mit dem Koffer nehme ich lieber die Straßenbahn ins Büro", direkt anschließend wurde mir klar, dass ich tatsächlich den befüchteten Fehler gemacht hatte: "Oh, irgendwie habe ich gar keinen Koffer mehr!"


Ich befand mich, als es mir auffiel, glücklicherweise noch im Bahnhof und rannte sofort zurück zum mittlerweile bereits leeren Zug (er endet in Frankfurt), wo bereits eine Bahn-Mitarbeiterin den Koffer hatte - ich weiß nicht, ob er zu den Fundsachen gebracht  oder gleich als verdächtiges Gepäckstück gesprengt.werden sollte. Ich nahm ihr den Koffer schnell unter aufgeregten Danksagungen ab und ging nun, erleichtert und über meine eigene Schusseligkeit den Kopf schüttelnd, wirklich zur Straßenbahn.

In die Straßenbahn eingestiegen, war ich angesichts der überwundenen Krise immer noch gut gelaunt, merkte dann aber schnell, dass mein iPhone nicht mehr in meiner Handtasche war. Im Zug hatte ich es noch benutzt, daheim hatte ich es also nicht vergessen. Ich stieg wieder aus der Straßenbahn (die noch nicht losgefahren war) aus und prüfte sorgfältig sämtliche Taschen. Kein iPhone. Ich musste es im Zug verloren haben, als ich das iPad zurück in die Tasche gesteckt hatte.

Ich rannte also wieder zurück in den Bahnhof und ein weiteres Mal zu meinem Zug. Dieser endet wie gesagt in Frankfurt, steht dort etwa eine halbe Stunde und fährt dann nach Amsterdam. Er war also (zum Glück!) noch da, aber mittlerweile alle Türen verschlossen. Ich konnte nicht einsteigen und suchen.

Drinnen sah ich plötzlich eine Bewegung, klopfte (na gut, ich hämmerte wohl eher) an die Tür und wurde eingelassen. Innen waren zwei Putzmänner bei der Arbeit und meinten, ich solle eben schauen, ob ich das Telefon finde.

Auf dem Weg in die zweite Klasse (ich wusste gar nicht mehr genau, in welchem Wagen ich gesessen hatte) traf ich einen weiteren Putzmann und fragte, ob er zufällig ein Handy gefunden hätte. Er fragte "Wie sah das denn aus?" Ich: "Ein iPhone in einer grünen Filzhülle." So eines zog er dann prompt aus der Tasche und gab es mir.

Ein weiteres Mal bedankte ich mich überschwänglich und machte mich, dieses Mal endgültig, auf den Weg aus dem Bahnhof. Unterwegs versuchte ich unauffällig, nachzusehen, ob ich vielleicht noch meinen Schlafanzug trug...

Während mir der Film The Goonies selbstverständlich ein Begriff ist (na ja, "selbstverständlich" von einer Person, die erst v...



Während mir der Film The Goonies selbstverständlich ein Begriff ist (na ja, "selbstverständlich" von einer Person, die erst vor ein paar Jahren E.T. gesehen hat und bei den klassischen Kinohits der 80er Jahre auch sonst so manche Lücke aufweist), muss ich gestehen, dass mir das Titelsong von Cyndi Lauper bislang entgangen war - da kann man dann auch gleich mit einer charmanten Coverversion einsteige, inklusive Kostümierung von Ben Cooper als Cyndi...

Letzten Monat besuchten mein Freund und ich bekanntlich das Cologne Popfest im Kölner Blue Shell. Dankenswerterweise hatten die Veransta...


Letzten Monat besuchten mein Freund und ich bekanntlich das Cologne Popfest im Kölner Blue Shell. Dankenswerterweise hatten die Veranstalter im Zeitplan eine Abendessenspause einkalkuliert, und noch dankenswerterweise hatten sie via Facebook Vorschläge veröffentlicht, wo man in der Nähe etwas zu Essen bekommen könnte. Hauptsächlich aus Gründen der Nähe fiel meine Wahl auf Signor Verde - die Website des veganen Lokals ließ erhoffen, dass sowohl mein Freund als auch ich etwas auf der Speisekarte finden würden.

Nach kurzem Fußweg mussten wir zwar feststellen, dass so gut wie alle Tische des schlauchartigen Lokals reserviert waren, es ließ sich aber dennoch ein Platz für uns beide finden. Die Tageskarte bot diverse Spargelgerichte an, ich, die eigentlich gar nicht so hungrig war, entschied mich aber für einen Salat mit gebratenen Champignons, während mein Freund sich einen "Classic" Burger mit Potato Wedges bestellte. Beides stammte aus der regulären Karte.


Erfreulich schnell erhielten wir von der ausgesprochen freundlichen Bedienung unser Essen, wobei mein Freund seine Potato Wedges-Portion für 3,50 Euro als etwas zu hochpreisig empfand - im Gegenzug erschien der Preis von 4,90 Euro für den Burger selbst günstig. Dazu bekam er noch einen Ketchup-See. Im Geschmack (ich durfte probieren) überzeugte der Burger auf der ganzen Linie. Da wir gemeinsam öfter Veggie-Burger aus dem Kühlregal essen, war ich etwas in Sorge gewesen, einen allzu vertrauten Geschmack zu empfinden, aber die selbstgemachten Burgerpatties des Lokals schmecken, wie auch die Saucen, sehr gut und "anders".

Mit meiner Salat-Entscheidung hatte ich entschieden, ein Gericht zu bekommen, das vermutlich in jedem Lokal vegan wäre und auch wenig Zubereitungsoptionen zulässt. Dennoch war ich auch mit meinem Salat sehr zufrieden, was insbesondere am Dressing und den dazu arrangierten Brotscheiben lag - beides war sehr schmackhaft, die gebratenen Pilze an sich dagegen ein bisschen langweilig.


Insgesamt war ich sehr zufrieden mit unserem Besuch bei Signor Verde und würde gerne wieder dort einkehren. Allerdings steht dort wohl eine größere Änderung bevor, denn die Betreiber suchen jemand, der das komplette Lokal übernimmt und weiter führt.

Schon wieder ein Video, das zwar hohe Wellen schlägt, das ich aber nicht wirklich verstehe - ABER wegen der hohen Wellen existieren auch ...


Schon wieder ein Video, das zwar hohe Wellen schlägt, das ich aber nicht wirklich verstehe - ABER wegen der hohen Wellen existieren auch Erklär-Videos! Was hat man nur früher gemacht, als man die Dinge noch allein verstehen musste... heute freue ich mich (unironisch), dass mir auf Youtube die erste Staffel Westworld kompetent erläutert wurde, und nun verstehe ich in diesem Video beispielsweise auch, was es mit den roten Tüchern auf sich hat (oder haben könnte), in die der Sänger seine Waffen abgibt.

Ich fühle mich nun auf jeden Fall besser informiert, und wer es ganz genau wissen will, liest am besten noch die 13.466 Kommentare zur Erklärung (oder die 310.884 zum Originalvideo?)...





Vor etwas mehr als einem Jahr spielten The Lake Poets in unserem Wohnzimmer . Aktuell ist Martin wieder auf Deutschlandtournee, dieses Ma...


Vor etwas mehr als einem Jahr spielten The Lake Poets in unserem Wohnzimmer. Aktuell ist Martin wieder auf Deutschlandtournee, dieses Mal ohne Wohnzimmerstops und in Begleitung von Hello Piedpiper - diesen wiederum hatte ich vor etwas mehr als vier Jahren bei einer Doppeltournee mit Honig in Gießen gesehen.

Das 25 Hours Hotel an der Hanauer Landstraße verfügt über eine Hotelbar, die Oost Bar, in der unter dem Motto "Live im 25" ganz gerne Livemusik dargeboten wird - ohne, dass Eintritt verlangt werden würde.

Der Beginn des Barkonzerts war für 20 Uhr angesetzt, als ich bereits gegen 20 vor eintraf, war die Bar noch komplett leer - immerhin konnte man aber das Equipment der Künstler sehen. Die kleine Bar füllte sich nach und nach ziemlich, die Hotelangestellten trugen immer mehr Stühle herbei, bis der Raum dann doch recht voll war - mehr als zwanzig Zuschauer waren aber wohl nicht da.


Nicht nur wegen der Kapazität kann ich die Bar des an und für sich schönen Hotels als Konzert-Location auch nicht empfehlen: Die Bar ist seitlich der "Bühne" und somit während des Konzerts zu jedem Zeitpunkt zugänglich - verständlich, man will ja durstige Hotelgäste nicht vergraulen. Aber die ständige Geräuschkulisse von Bestellungen, Getränkezubereitungen, Spülmaschine ausräumen und Unterhaltungen störte angesichts der eher leisen Töne der Bands des Abends ganz schön.

Etwas irritierend war auch eine gewisse Ungelenkheit der Veranstalter: Die Barkonzerte finden laut Facebook schon seit zwei Jahren statt, dennoch wirkte das Holen zusätzlicher Stühle so, als hätte man sich vorher gar nicht überlegt, ob die Gäste nun stehen oder sitzen sollten. Und während es draußen und damit auch im Raum und auf der Bühne immer dunkler wurde, bekam ich an der Bar mit, wie jemand vom Hotel sagte, man besitze zwar Scheinwerfer für die Bühne, habe aber vergessen, sie aufzustellen. Nicht so schlimm, aber der Qualität unserer Fotos natürlich nicht zuträglich.


Leicht verspätet, gegen 20 nach 8, ging zunächst Hello Piedpiper "auf die Bühne", sprich nach vorne. Der Musiker, der privat Fabio Bacchet heißt, hat letztes Jahr ein neues Album veröffentlicht. Er erklärte, dass ihm die Tour gemeinsam mit den Lake Poets sehr gefalle - und da er das auf Deutsch tat, war es sicher nicht nur Höflichkeit. Gemäß meinen Erinnerungen an das Konzert mit Honig in Gießen rechnete ich eigentlich an diesem Abend mit einem ähnlichen Arrangement, das heißt, dass alle Künstler ständig auf der Bühne wären und sich gegenseitig bei ihren Auftritten die Band ersetzen würden. Tatsächlich blieb Hello Piedpiper für den größten Teil seines Sets aber allein.

Gespielt wurden ausschließlich Lieder vom aktuellen Album, an seine handgeschriebene Setliste hielt er sich dabei nur zum Teil. Generell begleitete er sich selbst an der Gitarre, gelegentlich loopte er seine Stimme, seine Gitarre oder Percussion. Für "Shadows" wechselte er überraschend ans Keyboard und erklärte, er habe so gerne einen Pianosong schreiben wollen, aber dafür erst spielen lernen müssen. Für "Light Wood" kamen dann The Lake Poets - mittlerweile zu dritt unterwegs - mit nach vorne und sangen bei den "Uhuhu"-Teilen des Songs sehr harmonisch mit. Das Publikum wäre auch zum Mitsingen eingeladen gewesen, traute sich aber nicht so recht.

Setliste:

The Raucous Tide
Ask For Them
The Fear
Lampedusa
Shadows
An All Time Low of Sounds to Keep
Light Wood


Nach einer kurzen Pause ging es nun weiter mit The Lake Poets. Neuzugang Jordan saß dabei am Keyboard, während James, den wir bei bisherigen Auftritten hatten trommeln sehen, ausgesprochen wenig zu tun hatte. Hinterher erfuhren wir, dass es der Band nicht gelungen sei, sich eine Bassdrum zu leihen. Bei einigen Auftritten der aktuellen Tour hat Hello Piedpiper auch seine Band (inklusive Schlagzeug) dabei, und nur bei diesen kann dann auch James trommeln.

Viele der gespielten Lieder kannten wir, inklusive der sie einleitenden Geschichten, noch von den letzten Jahren, aber nachdem eine neue Albumveröffentlichung bevorsteht, gab es auch einen für uns neuen Song zu hören, nämlich "Belong to you" (Martin merkte hinterher kritisch an, er habe beim Songschreiben möglicherweise zu viel Adele gehört). Das uns bereits bekannte "Black and Blue" bot Martin allein an der Gitarre dar. Die im Hintergrund der Band sichtbare riesige Weltkarte nutze er, um uns seine Heimat Nordengland zu zeigen - praktisch, wenn der Veranstalter solche Unterrichtsmaterialien bereit stellt (Martin und Jordan sind im Alltag nämlich Lehrer)!

Für Lacher im Publikum, vor allem aber seitens der Band, sorgte eine Spinne, die beim Aufbau in der Nähe des Keyboards entdeckt worden war und die nun zurückkehrte. Besonders Jordan schien ihre Anwesenheit sehr zu beunruhigen, Martin versuchte aber, ihn zu trösten, indem er zunächst behauptete, Jordan könne durch einen potenziellen Spinnenbiss ja immerhin Spiderman werden, um später zu sagen, Bisse von deutschen Spinnen würden nur dazu führen, dass man mehr Bier trinken wolle. Ausgerechnet das Liebeslied "Your Face" verlor ein wenig seiner Emotionalität dadurch, dass die Bandmitglieder so viel lachen mussten, aber lustig anzusehen war es allemal.


Nach dem Konzert sprachen wir noch kurz mit der Band. Während wir vor dem Auftritt nicht sicher gewesen waren, ob James James war (er und Martin hatten letztes Jahr während der Tour gewachsene Bärte getragen) - glücklicherweise erkannte er uns aber ohne Probleme. Im Gespräch erfuhren wir,  dass dieses Mal auch Martins Frau mitreiste und dass anscheinend alle seit ihrem Besuch in unserem Haus süchtig nach Spekulatius-Brotaufstrich geworden sind. Gerne hätten wir gewusst, wie es wohl für seine Frau sein mag, jeden Abend all diese Lieder zu hören, die über sie geschrieben wurden - aber danach zu fragen trauten wir uns nicht.

Der Doppelauftritt war vielleicht ein bisschen kurz und litt ein wenig unter der vorhandenen Geräuschkulisse - er zeigte aber wieder einmal, dass beide "Bands" sehr schöne und emotionale Musik machen, von der man nicht so schnell genug bekommt.

Setliste:

Windowsill
Edinburgh
Friends
Belong to you
Lonely in the city
Black and blue
Runaway
See you tonight
Your Face 

How do you love me

Limebikes warten auf ihren Einsatz Es gibt dieses Phänomen, dass man bestimmte Alltagsdinge, sobald man sich kurz mit ihnen beschäftigt...

Limebikes warten auf ihren Einsatz

Es gibt dieses Phänomen, dass man bestimmte Alltagsdinge, sobald man sich kurz mit ihnen beschäftigt hat, plötzlich überall sieht, während sie vorher komplett unter dem persönlichen Radar geflogen sind - beispielsweise ist eine Freundin schwanger, und plötzlich sieht man überall Schwangere. Als ich mich erstmalig mit den Finanzsektor auseinandersetzte, sah ich mit einem Mal an jeder Ecke Versicherungsbüros, die für mich vorher schlicht unsichtbar gewesen waren.

Und so kam es, dass ich, als eine Freundin vor kurzer Zeit zu unserer Mittagsverabredung auf einem "Limebike" vorfuhr, ich erstmalig verinnerlichte, dass sich etwas auf dem Frankfurter Markt für Mietfahrräder getan hatte. Seit Ewigkeiten gab es hier das "Call a Bike"-Angebot der Deutschen Bahn sowie die quasi identisch organisierten Räder von "Nextbike". Beide Anbieter stellen ihre Räder an festen Stationen zur Verfügung, wo man sie nach Anmeldung gegen eine Gebühr ausleihen kann. Die Rückgabe erfolgt an einer anderen Station. Stellt man das Rad einfach woanders ab, kostet das eine Strafgebühr.

Hier die komplette Frankfurter Mietrad-Landschaft: Vorne BYKES, dahinter Limebikes, im Hintergrund die Station für Call A Bike und Nextbike, an der sich auch ein oBike versteckt hat

Ich hatte an keinem der beiden Anbieter bislang sonderliches Interesse entwickelt. Als ich noch in Frankfurt wohnte, hätte ich theoretisch mit meinem eigenen Rad überallhin fahren können. Mittlerweile ist das zwar nicht mehr möglich, dafür bezahle ich aber ohnehin für die Nutzung von Bus und Bahn - warum also nicht einfach diese auch benutzen?

Der Knackpunkt waren für mich hier aber immer die festen Stationen: Eine kürzere Strecke mit einem Mietrad zurückzulegen, erschien mir grundsätzlich ganz interessant - aber nicht, wenn ich mir am Ziel dann erst wieder eine Abgabestation suchen müsste, um dann das letzte Stück doch wieder zu Fuß zurück zu legen.

Es besteht offensichtlich kein Zwang, die Bahn-Räder innerhalb der Station auch ordentlich abzustellen.

Seit dem letzten Jahr gibt es in Frankfurt aber gleich drei Anbieter der sogenannten "Chinabikes" - benannt nach dem Umstand, dass die Räder selbst im allgemeinen aus Fernost stammen und dort auch bereits sehr etabliert, wenn auch nicht unumstritten sind - in Shenzen beispielsweise werden die unkontrollierten Fluten von Leihrädern schon einmal am Straßenrand aufgehäuft, weil sonst kein Durchkommen mehr möglich ist. Wenn die Anbieter massenweise Räder aufstellen, sich aber nicht um deren Wartung kümmern oder einschreiten, wenn diese an komplett unpassenden Orten abgestellt werden, entsteht eben auch gerne Chaos.

Tatsächlich wurde diese Erfahrung in München gemacht: Der Anbieter oBike, mittlerweile auch in Frankfurt aktiv, stellte dort Anfang 2017 in kurzer Zeit 6800 Fahrräder auf, die bei den Münchenern nicht auf Begeisterung stießen: Die Räder wurden in großem Stil Opfer von Vandalismus und boten als herumstehende Ruinen keinen schönen Anblick. Der Anbieter aus Singapur zog daraus die Konsequenzen und baute diesen Monat 5800 Räder wieder ab.

Misshandeltes oBike

Grundsätzlich macht der Umstand, dass man die Räder überall mieten kann, wo man eines sieht, und dann auch an einem beliebigen Ort im Stadtgebiet wieder abstellen kann, die Chinaräder für mich aber um einiges attraktiver als die etablierte Konkurrenz. Natürlich verlässt sich dieses System auf die Vernunft seiner Nutzer, was - siehe München - selten eine gute Idee ist. Man muss ein Rad ja nicht erst mieten, um es auf einen Baum hängen oder in den Main werfen zu können, und darüber, was genau ein vernünftiger Abstellort ist, lässt sich auch diskutieren.

Tatsächlich habe ich aber den Eindruck, dass die in Frankfurt aktiven Anbieter durchaus auf ihre Flotten schauen: An der U-Bahnstation meiner Arbeitsstelle sehe ich nämlich beinahe jeden Morgen ordentlich aufgestellte Reihen von Chinabikes, was den Schluss nahe legt, dass jemand nachts durch die Gegend fährt, Räder einsammelt und an wahrscheinlichen Startorten wieder aufstellt. Auch habe ich noch keine krass unpassend abgestellten Räder gesehen. Das einzige offensichtlich kaputte Rad, dass mir bislang begegnet ist, war auch ein oBike - irgendwie machen diese wohl aggressiv. Ansonsten scheinen sich die Frankfurter Mietradnutzer recht manierlich zu verhalten.

Der eine oder andere Frankfurter hat auch noch ein eigenes Rad

Benutzt habe ich bereits die beiden Konkurrenten von oBike, BYKE und Limebike. Die Nutzung beider Angebote erfolgt quasi identisch: Man lädt eine App auf sein Smartphone, diese nutzt man sowohl, um per GPS Fahrräder zu finden als auch diese (indem man die Kamera auf einen QR-Code am Rad hält) aufzuschließen. Bezahlen kann man entweder mit einem vorab eingezahlten Guthaben oder per Kreditkarte. Das Mietverhältnis endet, wenn man das Rad manuell wieder abschließt.

Auch hinsichtlich der Qualität sehe ich keine großen Unterschiede: Beide Räder haben Vollgummireifen, was bedeutet, dass diese nicht kaputt gehen können. Beleuchtung und Fahrradkorb sind vorhanden, die Sitzhöhe kann man leicht individuell einstellen. Es gibt auch eine Gangschaltung, allerdings umfasst diese nur drei Gänge. Eine Klingel ist nicht vorhanden, aber generelle Verkehrssicherheit ist gewährleistet. Während bei Limebike, wie bei so ziemlich jedem Anbieter, eine halbe Stunde Fahrradnutzung einen Euro kostet, fallen bei BYKE bislang nur 50 Cent an - deshalb ist BYKE auch mein Lieblingsverleih.

BYKES

Die Möglichkeit, mal eben schnell mit dem Fahrrad zu fahren, hat sich für meinen Frankfurter Alltag durchaus als Bereicherung erwiesen. Normalerweise ist beispielsweise die Fahrt zu meinem Zahnarzt eine recht komplizierte Angelegenheit, dabei ist er von meinem Arbeitsort gar nicht so weit entfernt. Seit neuestem nehme ich nicht mehr zwei verschiedene Bahnen und laufe anschließend ein ganzes Stück, ich radele stattdessen in einer Viertelstunde durchs schöne Westend und genieße die Fahrt als Freizeit.

Einen Vergleich aller aktuell in Frankfurt nutzbaren Bikesharing-Angebote gibt es hier. Ich bin gespannt, wie sich die Dinge weiter entwickeln - kämen noch weitere Anbieter nach Frankfurt, würde das nämlich höchstwahrscheinlich doch recht schnell zu chaotischeren Zuständen führen.

Das heutige Sendeschluss-Video schaffte es hauptsächlich wegen der Interpretin in die Auswahl, denn Florence singt halt einfach sehr gut ...


Das heutige Sendeschluss-Video schaffte es hauptsächlich wegen der Interpretin in die Auswahl, denn Florence singt halt einfach sehr gut und mitreißend - immer noch denke ich gerne an ihren Auftritt beim Hurricane 2012 zurück. Inhaltlich geht es offenbar sowohl um physischen Hunger als auch, mehr, um das Bekämpfen innerer Leere mit allem möglichen (im Video hauptsächlich Skulpturen).

Anders als mein Freund hatte ich in meiner Jugend kein Interesse an M. Walking on the Water, deshalb hatte ich nach einem Konzertbesuch 2...


Anders als mein Freund hatte ich in meiner Jugend kein Interesse an M. Walking on the Water, deshalb hatte ich nach einem Konzertbesuch 2011, der durchaus unterhaltsam war, auch keinen direkten Bedarf nach einem Wiedersehen - anders als er, der am Donnerstag die Gelegenheit nutzte, seine Jugendhelden im Kesselhaus des Wiesbadener Schlachthofs zu besuchen. Hier meine Fragen an ihn.

2011 besuchten wir zusammen ein Konzert von M. Walking on the Water, Du nochmals allein 2015. Höchste Zeit, sie noch einmal zu sehen. Gibt es neues Material, oder sind das Reunion-Konzerte?

Nach ihrem Album "File" gab es wohl einen Systemfehler und M. Walking On The Water wurden irgendwie gelöscht. Für 10 Jahre war es still um die Band, 2007 kam es wieder zu ersten Auftritten. Als wir sie 2011 in Weinheim sahen, hatten sie gerade mit "Flowers For The Departed" ihr erstes neues Album seit 1997 veröffentlicht. Der Begriff "Reunion" wäre hier wohl eher angebracht als aktuell. Danach traten sie weiterhin sporadisch auf, so dass ich auch unbedingt ihr Konzert in Wiesbaden 2015 sehen wollte. Zwischen den beiden Auftritten im Wiesbadener Kesselhaus lagen insgesamt nur 15 weitere Konzerte.

Neues Material gibt es nicht, aber eine neue Platte. Auf dieser befinden sich sechs akustische Neuinterpretationen ihrer Klassiker sowie zwei Coverversionen, die sie auch beim Konzert spielten. Das Album trägt den Titel "Dogma 13" und ist auf 300 Schallplatten limitiert.


... Coverversionen?

Eigentlich waren es sogar drei Coverversionen, die gespielt wurden. Neben "Fade To Grey" von Visage, das auch 2015 an gleicher Stelle bereits dargeboten wurde, feierte "Enjoy The Silence" von deiner Lieblingsband Depeche Mode am Donnerstag seine Live Premiere. Am Vorabend in Köln hatte die Band nach der Probe noch entschieden, dass sie es wohl doch noch nicht ins Programm aufnehmen können. Neben diesen beiden Liedern, die sich auch auf "Dogma 13" befinden, hörten wir "Heaven", das Markus Maria Jansen als Song seines Projektes CollieElectric vorstellte. Nachdem ich das Lied dann gehört hatte, wusste ich aber, dass er es bereits 2001, also 6 Jahre zuvor, mit deutschem Text, entschleunigt und Dank Streicher auf über 8 Minuten gestreckt, unter dem Titel "Himmel" als Jansen auf seinem zweiten Soloalbum veröffentlicht hatte.


Sind M. Walking on the Water eigentlich Berufsmusiker, oder was machen die sonst so?

Also von ihren Plattenverkäufen und Konzerteinnahmen können sie sicherlich nicht leben. Von "Dogma 13" können sie nur 300 Exemplare verkaufen, das Album davor liegt bereits 7 Jahre zurück und die aktuelle Tournee hat 9 Stationen. Ich habe gelesen, dass Markus Maria Jansen (Gesang, Gitarre) neben seinen musikalischen Projekten auch Filmmusik komponiert und Mike Pelzer (Gesang, Gitarre, Akkordeon, Keyboard) als Schiffszimmermann arbeitet. Die drei anderen Bandmitglieder, Konrad Mathieu (Bass), Axel Ruland (Geige) und Martell Beigang (Schlagzeug), die seit 1990 zu M. Walking on the Water gehören, arbeiten in den Bereichen Internet, Promotion und sind als Studiomusiker aktiver. Den Schlagzeuger kennt man vielleicht von Dick Brave & The Backbeats oder als Autor ("Zu Gast im eigenen Leben", "Unverarschbar").


Wie voll haben sie den Schlachthof bekommen?

Anfangs dachte ich, einerseits bestürzt, andererseits hoffnungsvoll, dass wir bei einem Wohnzimmerkonzert mit M. Walking on the Water mehr Zuschauer zu bieten hätten. Aber dann hat sich das Kesselhaus doch noch recht ansehnlich mit ca. 100 Zuschauern gefüllt.


Gab es eine Vorband?

Es gab keine Vorband, aber wir wurden vor und nach dem Konzert mit den Beatles beschallt, was ja nicht unbedingt die schlechtere Alternative ist.


Hatten sie die Wackellampen dabei?

Ach, die Wackellampen. Wie soll denn ein M. Walking on the Water Konzert ohne die seit den Frühtagen der Band bestehenden Eigenkreationen authentisch sein? Meinetwegen könnten sie auch ruhig noch einmal die Balkenköpfe ausmotten, die ich irgendwann in den 90ern bei einem Konzert in Köln erlebt hatte. Damals gingen sie mit diesen seltsamen Kopfkonstruktionen, die man auf dem Plattencover ihres Debütalbums sehen kann, vor dem Konzert durchs Publikum. Aber zurück zu den Wackellampen, zu denen ich dir 3 neue Erkenntnisse liefern kann: 1. Die Band nennt die Lampen selbst auch Wackellampen. 2. Durch das Hin- und Herpendeln lösen sich die Glühbirnen langsam aus ihren Fassungen, so dass sie im Verlauf des Konzertes nach und nach ausgingen. 3. Die vier Wackellampen wurden vom Bassisten per Fuß und über eine Steckdosenleiste mit Schalter bedient. Sensationell, oder?


Gab es auch einen Dresscode?

Den gab es tatsächlich, denn das Quintett trug Hemden mit bunten Blumen- oder Paisleymustern. Wenn ich das vorher gewusst hätte, dann wäre ich mir in meinem Karohemd nicht so "wrong dressed" vorgekommen.


Was wurde so gespielt?

Zu den drei Coverversionen habe ich dir bereits etwas erzählt. Bei deinem einzigen Konzert der Krefelder Band stand damals deren aktuelles Album "Flowers For The Departed" mit 10 Liedern im Mittelpunkt der Setliste. Dieses Mal wurde es nur noch mit "Sing Sally", "Bury Me Upright" und "Love Is On Your Side" bedacht. Insgesamt war es ein guter Querschnitt durch die Bandgeschichte, wobei man besonders die ersten beiden Alben berücksichtigte, die es zusammen auf 9 Lieder brachten.

Im Vergleich zum Auftritt 2011 in Weinheim war die Setliste um 3 Songs kürzer, insgesamt wurden aber 21 Lieder gespielt. Aber Band und Publikum, das bei einigen Liedern laut mitsang ("Day To Day", "Holy Night Of Rosemary") und bei noch mehr heftig mittanzte ("Linda Lee", "Soldier Of Love"), werden auch nicht jünger. Nach "Party In The Cemetry" sagte Jansen auch: "Ist das anstrengend! Jetzt erst einmal etwas Ruhiges."

Besonders gefallen haben mir an diesem Abend "Magical Forest" und "Pink Pinks" sowie die Darbietung meines Lieblingsliedes "Pluto" im Zugabenteil. Leider wurde kein Walzer aus dem Themenalbum "The Waltz" gespielt und auch das abschließende Lied inmitten des Publikums, Platz wäre noch gewesen, fehlte leider.


Was wurde so gesagt?

Ganz witzig war, als Jansen uns fragte, wer denn ursprünglich zu Monster Magnet im benachbarten Schlachthof gehen wollte, dass sich einzig Schlagzeuger Martell Beigang meldete. Oder dass er, als festgestellt wurde, dass die Wackellampen ihren Geist aufgaben, laut nach einem Roadie rief, um dann gespielt ernüchtert zu ergänzen, dass sie keine mehr haben. Der Ruf nach dem Hausmeister aus dem Publikum wurde dann auch belustigt von der Band aufgegriffen.


Möchtest du in drei bis vier Jahren wieder ein Konzert sehen?

Warum denn erst in drei oder vier Jahren? Ich hoffe auf ein richtiges neues Album mit einer längeren Tour und eigentlich wären M. Walking on the Water doch zum Beispiel auch für das A Summer's Tale Festival gut geeignet, oder? Und nachdem wir jetzt mit Loch Lomond bereits eine Band mit vier Musikern in unserem Wohnzimmer hatten...


Hast du mir etwas mitgebracht?

Zählt die Langspielplatte, die ich am Merch gekauft habe? Eigentlich hättest du ein T-Shirt bekommen sollen, denn die Band versprach jedem in der ersten Reihe eins und warf tatsächlich alte Shirts ins Publikum. Leider nicht in meine Richtung. Offensichtlich hat man im Haus M. entrümpelt, denn es gab noch Vinyl-Restbestände von "Pluto" aus dem Jahr 1989 zu kaufen und die T-Shirts stammten noch aus "Split"-Zeiten und waren in Übergröße. Jansen erklärte dazu, dass sie daher nur als Nachthemden geeignet seien und dass man, obwohl sie aus Baumwolle seien, morgens einen viereckigen Schweißfleck unter dem Aufdruck habe.


Hast du außer den schönen Fotos auch an die Setliste gedacht?

Klar:

Melitaah
Adventures And Narrations
Bury Me Upright
Party In The Cemetery
Sing Sally
Fade To Grey (Visage Cover)
Magical Forest
Flowers Of The Gone
Enjoy The Silence (Depeche Mode Cover)
Love Is On Your Side
Day To Day
Heaven (CollieElectric Song)
Holy Night Of Rosemary
Wooden Lady
Pink Pinks
Linda Lee
Anymore
Soldier Of Love

Pluto
Poison

Misery

Der April war ein guter Beispielmonat für meine aktuelle Zerrissenheit in Bezug auf Konsum. Anfang des Monats fand die zweimal jährlich von ...

Der April war ein guter Beispielmonat für meine aktuelle Zerrissenheit in Bezug auf Konsum. Anfang des Monats fand die zweimal jährlich von der Zeitschrift Glamour veranstaltete Shopping Week statt - die Zeitschrift erscheint mit einer Pappkarte, gegen deren Vorlage eine große Zahl Geschäfte zum Teil beachtliche Rabatte gewährt.

In echten Geschäften kaufte ich nur ein paar Sachen, aber irgendwann beschloss ich, mir mit Hilfe der Rabatte auch Schuhe zu bestellen, ließ mir diverse zur Auswahl liefern und schickte letztlich, da alles irgendwie nicht passte, alle wieder zurück - und ärgerte mich über mich selbst, weil ich eigentlich nicht mehr so viel nach Hause bestellen will, und auch sowieso nicht mehr so viel kaufen, beziehungsweise nur Dinge, die ich wirklich brauche oder die mich zumindest wirklich erfreuen. Außerdem ist diese ganze Hin- und Herschickerei sowieso Mist. Und gerade bei Schuhen ließe sich Passform und Aussehen in einem Geschäft eigentlich viel leichter klären.


Zum schlechten Gewissen trug dann zusätzlich ein Online-Test bei, mit dessen Hilfe man seinen ökologischen Fußabdruck ermitteln kann. Ich hatte eigentlich erwartet, als nicht Auto fahrende Vegetarierin ganz gut aufgestellt zu sein, aber es zeigte sich, dass ich zu groß und zu warm wohne, zu viel wegwerfe und dass wöchentlich 1000 Kilometer Bahnfahren auch nicht so toll ist.

Zur Gewissensberuhigung im Kleinen kaufte ich aber auch etwas, nämlich wiederverwendbare Netze für den Obst- und Gemüseeinkauf im Supermarkt - zukünftig benutze ich immer dieselben Beutel und brauche keine Plastiksäcke zum Wegwerfen mehr. Und schon ist der Fußabdruck einen Zehntel Millimeter kleiner.

Wenn man als jahrelange Sky-Kundin einen Ausflug zu Netflix (in Form eines Probemonats) macht, ist man ziemlich schockiert: Alles ist so ein...

Wenn man als jahrelange Sky-Kundin einen Ausflug zu Netflix (in Form eines Probemonats) macht, ist man ziemlich schockiert: Alles ist so einfach! Die Anmeldung dauert zwei Minuten! Die Videos laufen problemlos, ebenso die App! Es wird einem automatisch angeboten, bei Serien den Vorspann zu überspringen und die nächste Folge zu laden! Und während es bei Sky zwar immer die Option gibt, einen Film oder eine Serie auch in der Originalsprache zu sehen, werden dort so gut wie nie Untertitel angeboten. Bei Netflix sind sie Standard!


Anlass für den Probemonat war die Serie Die Einkreisung (Original: The Alienist). In der amerikanischen Romanverfilmung spielt Daniel Brühl einen Psychologen, der 1896 in New York versucht, einen Serienmörder zu fassen - mit Unterstützung des Polizeichefs Theodore Roosevelt, aber unter ausdrücklicher Sabotage von dessen Behörde. Zur Seite steht ihm sein Zeichnerfreund sowie die Sekretärin Roosevelts, wobei das Verhältnis zwischen dem nüchternen, wenig auf die Gefühle anderer Rücksicht nehmenden Psychologen und seinem etwas unbedarften Freund durchaus an die Dynamik Sherlock Holmes / Dr. Watson erinnert - vielleicht sogar ein bisschen zu sehr.

Die Handlung basiert auf dem gleichnamigen Roman von Caleb Carr - der Autor hat praktischerweise auch einen zweiten Teil mit denselben Figuren veröffentlicht, so dass einer zweiten Staffel nichts im Wege steht.

Die Einkreisung ist durchaus spannend und spart weder an Opulenz noch an grausigen Bildern. Vergleicht man die Serie allerdings zum quasi gleichzeitig und am selben Ort spielenden The Knick, offenbaren sich ihre Schwächen - die Figuren der neueren Serie erscheinen allzu glatt. The Knick schafft es wunderbar, sein Zeitalter so darzustellen, wie es vermutlich war: Frauen sind schmückendes Beiwerk, jeder, der nicht weiß ist, hat im Grunde keine Chance, irgendeinen respektablen Beruf auszuüben, die Armen sind arm, die Reichen vielfach von deren Elend nur angewidert.


Die Einkreisung dagegen lässt ihre Charaktere, sicher, um deren Sympathiewerte nicht in Gefahr zu bringen, unrealistisch aufgeschlossen wirken: Die sympathischeren Figuren respektieren selbstverständlich die weibliche Angestellte der New Yorker Polizei, sind nett zu Menschen jeder Herkunft und haben auch ein Herz für Arme. Dass irgendjemand sich, noch bevor Freud seine wichtigeren Werke veröffentlicht hatte, ernsthaft mit der psychologischen Komponente von Verbrechen auseinandergesetzt hätte (und das modern und ganz ohne damals beliebte Quatschmethoden wie Schädel vermessen), erscheint auch zumindest unwahrscheinlich.

Das lässt die Serie dann im Nachgang allzu glatt wirken - spannend ist sie aber allemal.

Im Bücherfragebogen , den ich 2010 auf diesem Blog ausfüllte, nannte ich Jonathan Safron Foers Buch Tiere essen als Antwort auf die Frage,...

Im Bücherfragebogen, den ich 2010 auf diesem Blog ausfüllte, nannte ich Jonathan Safron Foers Buch Tiere essen als Antwort auf die Frage, was ich denn als nächstes lesen wolle... mit nur acht Jahren Verspätung habe ich es nun hinter mir!


Tatsächlich hatte ich einfach nie große Lust, das Buch zu lesen: Inhaltlich war mir bewusst, dass viele meiner Meinungen bestätigen würde, aber ich habe eigentlich lieber eine vage Vorstellung davon, wie grausig es in Schlachthöfen zugeht, als es auch noch konkret belegt zu bekommen.

In der Tat liest sich das amerikanische Sachbuch noch um einiges unbequemer als erwartet, denn man könnte als deutsche Leserin, wenn man mit recht konkreten Aussagen zu den Lebens- und Sterbensbedingungen beispielsweise von Schweinen in Massentierhaltung konfrontiert wird, ja denken: "Ach ja, die USA, es ist ja bekannt, dass bei denen die Lobby alles entscheidet. Bei uns in Deutschland gibt es sicher bessere Gesetze und Kontrollen, die deren Einhaltung gewährleisten!"

Der deutsche Verlag hat sich aber die Mühe gemacht, den Vegetarierbund darum zu bitten, die Aussagen des Buches auf ihre Gültigkeit in Bezug auf deutsche Verhältnisse zu prüfen. Und so gibt es zum einen ein Vorwort des Autors selbst zur Lage in Deutschland, aus dem hervorgeht, dass sich die geschilderten US-Verhältnisse weitestgehend auf Deutschland übertragen lassen. Zum anderen folgt auf das umfangreiche Fußnotenregister des Autors, in dem er seine Aussagen belegt, noch ein weiteres, in dem der Vegetarierbund zu diversen Themen speziell die deutsche Rechtslage oder deutsche Statistik darlegt.

Überhaupt ist die offensichtlich große Mühe, alle Aussagen mit Fakten zu belegen, eine der Stärken des Buchs. Als Schwäche würde ich sehen, dass es inhaltlich ein ziemliches Durcheinander ist. Safran Foer hat sehr viel Zeit damit zugebracht, für das Buch zu recherchieren und diverse Standpunkte eingesammelt, die er nun auch vermitteln will. Dabei geht er aber von einem Punkt auf den nächsten, um dann einige Kapitel später wieder zu Thema Nummer eins zurück zu kehren. Mir hätte eine klare Aufteilung - beispielsweise ein Teil zum Thema Schlachthäuser, in dem sowohl die grausame Regel als auch die rühmliche Ausnahme dargestellt werden - besser gefallen.

Ich kann das Buch dennoch jedem empfehlen, der sich mit dem ethischen Grundlagen des Fleischkonsums auseinandersetzen möchte.

Blossoms sah ich kürzlich als Vorband von Noel Gallagher . In ihrem Video zu "There's A Reason Why (I Never Returned Your Calls...


Blossoms sah ich kürzlich als Vorband von Noel Gallagher. In ihrem Video zu "There's A Reason Why (I Never Returned Your Calls)" kombiniert die Band zwei Ideen: Den eigenen Song in einer Karaoke-Bar zu singen und parallel als Superstars von besessenen Fand durch die Stadt gejagt zu werden. Beides dürfte recht weit von der aktuellen Realität entfernt sein, aber wer weiß, was noch kommt?