Neulich als Wiederholungstäterin: Best Kept Secret Festival 2017, Tag 1

U.

Unser Festivaleinstieg am Freitag war das Konzert der niederländischen Sängerin Amber Arcades. Die Singer/Songwriterin aus Utrecht befolgte den ungeschriebenen Dresscode des Festival-Freitags, indem sie komplett in weiß gekleidet erschien. Mit ihrem weißen Anzug, dessen Hose einen gewaltigen Schlag aufwies, wirkte sie dank ihres blassen Teints und der hellblonden Haare quasi einfarbig. Nur ihre roten Lippen stachen heraus.


Ihre vierköpfige Begleitband trug als Kontrast schwarz. Amber Arcades Musik klang live deutlich rockiger und auch einprägsamer als auf Platte - die Sängerin hat bislang ein Album und eine EP veröffentlicht. Am untypischsten waren jedoch die beiden abschließenden Songs: Für das vorletzte Lied "Can’t say that we tried" packte der Gitarrist sein Instrument weg und bediente stattdessen ein elektronisches Gerät mit Knöpfchen. Das letzte Lied klang war von einem elektronischen Beat unterlegt.


Setliste:

A Constant’s Dream
Right Now
Come with me
This time
Fading Lines
I will follow
?
It changes
Can’t say that we tried
Turning Light


Weiter ging der Festival-Freitag mit unserem ersten Besuch an der Hauptbühne bei Sundara Karma. Der Guardian vergleicht das Quartett aus Reading mit U2 und Arcade Fire, beide Bands konnte ich nicht heraushören. Schon vor unserem Besuch bei Amber Arcades hatten wir einen Blick auf die Band erhaschen können. Ein niederländischer Radiosender veranstaltete nämlich neben der Zeltbühne in einem Minizelt Mini-Akustikauftritte einiger Bands des Festivals. Obwohl unsere Sicht schlecht gewesen war, hatte sich mir das grellgrüne Hemd von Gitarrist Ally Baty gleich eingeprägt.


Nun, da die Band auf der Bühne stand, konnte man erkennen, dass diese offenbar ein optisches Konzept hat: Alle Mitglieder hatten schulterlange Haare und trugen Kleidung, die nach Second Hand Shop aussah - und zwar, als hätte sie einen Kilopreis gehabt. Bassist Dom Cordell trug das möglicherweise hässlichste Hemd, das ich je gesehen habe, seine Rentnerhose war zu kurz. Sänger Oscar Pollock schien auf den ersten Blick einen Nadelstreifenanzug zu tragen, aber auf den zweiten bemerkte man, dass Ober- und Unterteil nicht zusammenpassten. Und auch das bereits vorab gesichtete grüne Hemd beeindruckte nicht wegen seiner Schönheit.


Die Musiker waren zu Beginn ihres Auftritts zurecht unzufrieden mit dem Sound, der dann im Laufe des Sets zum Glück wesentlich besser wurde. Im Wesentlichen spielte die Band Lieder von ihrem einzigen Album "Youth is Only Ever Fun in Retrospect", lediglich "Lakhey" wurde als neuer Song angekündigt, Sänger Oscar erprobte sich dabei an einer Falsettstimme.

Man merkt es schon: Obwohl an ihrem Auftritt nichts auszusetzen war, konnten mich Sundara Karma nicht wirklich packen. Die besten Songs waren noch "Olympia" und "Flame". Letzteres wurde glücklicherweise in einer anderen Version vorgetragen als in der Radiosession vorab. Diese war recht monoton gewesen.


Setliste:

Loveblood
Olympia
Watching from Great Heights
Lose the Feeling
Flame
Lakhey
She Said
Deep Relief
The Night
Happy Family
Explore 


Anschließend begaben wir uns schleunigst zurück zu Bühne 2 im Zelt, aber hier zeigte sich ein Problem, das wir bereits im Vorjahr gehabt hatten: Das Zelt ist zu klein, so dass man, wenn eine Band viele Zuschauer anzieht, lange vor deren Auftritt anwesend sein muss, wenn man einen halbwegs vernünftigen Stehplatz ergattern möchte. Ansonsten sieht man eben wenig bis nichts. Bei Real Estate, die ich neulich erst im Sendeschluss hatte, waren wir zu spät dran und hielten es dann auch nicht lange aus.

Die Band klingt so, als wären Teenage Fanclub nicht aus dem verregneten Glasgow sondern dem sonnigen Kalifornien - und hätten weniger Hits.

Setliste (laut Internet):

Stained Glass
Younger Than Yesterday
White Light
Crime
Saturday
Serve the Song
Green Aisles
Talking Backwards
After the Moon
Two Arrows


Wir gingen in Ruhe zurück zur Hauptbühne, wo als nächstes Agnes Obel auftrat. Ich kannte die in Berlin lebende Dänin vorab nur vom Hörensagen. Sie erschien mit drei anderen Frauen, von denen gleich zwei Cello spielten. Eine weitere saß am Keyboard, während eine der Cellistinnen auch eine Autoharp dabei hatte und die Schlagzeugerin zusätzlich Dulcimer und Omnichord spielte.

Wie viele der Musiker des ersten Festivaltags trug die Band weiß, Frau Obel selbst dagegen hatte ein rosa Kleid an und trug darüber noch eine rote Jacke. Alle Musikerinnen hatten Glitterstreifen im Gesicht und passten somit perfekt zum ebenfalls vielfach so geschminkten Publikum - ob es sich um Fans handelte, die sich gezielt mit Glitter bestreut hatten, oder einfach Zufall war, werden wir nie erfahren.


Die getragene, cellolastige Musik von Frau Obel gefiel mir sehr gut. Sie selbst kündigte "Stone" als ein Lied an, das eigentlich nicht für Festivals geeignet, da viel zu ruhig sei, aber eigentlich traf diese Aussage auf das gesamte Set zu - machte aber nichts, da sowohl das andächtige Publikum als auch das Festivalgelände ruhig waren.

Zu "Golden Green" warf eine der Musikerinnen als Percussioninstrument einen Ring aus Holzstückchen rhythmisch in die Luft und fing ihn wieder auf. Bei "Stone" kam eine Ukulele zum Einsatz.


Die Hauptbühne verfügte über zwei große LED-Wände an beiden Seiten. Die Kameras, die für diese das Konzert filmten, taten das im Fall von Agnes Obel durch eine Art Plastikprisma, so dass die Bilder kaleidoskopartig wirkten - ein wenig wie das Cover von Obels aktuellem Album "Citizen of Glass".

Dieses Konzert war in meinen Augen das beste des Tages.


Setliste:

?
It's Happening Again
Golden Green
Trojan Horses
Unknown (Piano Instrumental)
The Curse
Stone
Stretch Your Eyes
September Song
Riverside
On Powdered Ground


Nach einer verdienten Pommes-Pause kehrten wir wieder zur Hauptbühne zurück, wo als nächstes Metronomy auftreten sollten - deren Musik mir in der Vorbereitungs-Playliste so gar nicht gefallen hatte. Die englische Band um Joseph Mount hatte ebenfalls das "weiße Kleidung"-Memo erhalten, nur Bassist Olugbenga Adelekan hielt sich nicht ganz an den Dresscode.


Die Bühnengestaltung erinnerte etwas an den Auftritt von Air, den wir im Vorjahr an selber Stelle gesehen hatten - die Bühne war in weiß gehalten, die beiden Keyboarder und die Schlagzeugerin hatten Stationen im Hintergrund, wobei die Keyboards auf kuriose Weise übereinander arrangiert waren - je eines waagerecht oben und das andere hochkant weiter unten. Die Keyboarder schienen direkt aus den 80er Jahren angereist zu sein - der eine mit einem schwarzen Handtuch um die Schultern, der andere mit halblanger Popperfrisur und Blazer.


Vor den drei Musikern befand sich Bandchef und Sänger Joseph Mount sowie Olugbenga Adelekan. Das nun gespielte Set wirkte etwas steril und durchgeplant, die Lieder gingen teilweise ineinander über. Mount spielte neben seinem Gesang abwechselnd Gitarre, Klangholz und auch Bongos. Zu "Everything Goes My Way" durfte Schlagzeugerin Anna Prior nach vorne kommen und einen Großteil des Liedes singen, während Mount so lange das Schlagzeug übernahm.


Im Vergleich zu Air schien diese Band ganz klar ihren Auftritt zu genießen, mich konnte er dennoch nicht wirklich fesseln. Andere waren da deutlich begeisterter, sangen mit und tanzten. Am besten kam "Love Letters" beim Publikum an.

Setliste:

Back Together
Miami Logic
Old Skool
The Bay
16 Beat
I'm Aquarius
My Heart Rate Rapid
Mick Slow
Love Letters
Hang Me Out To Dry
Lately
Night Owl
Everything Goes My Way
The Look
Reservoir


Eigentlich waren wir schon auf dem Weg zum Auto, als wir noch kurz bei Bühne 3 und Jenny Hval vorbei schauten. Im Zelt herrschte ein reges Kommen und Gehen, und schon bald wurde auch klar, warum. An Stelle eines Konzerts wurde hier eher Performancekunst geboten. Jenny trug ein kurzes Samtkleid sowie eine schwarze Perücke, ihre Band (zwei Frauen, ein Mann) hatte sie exakt genauso ausstaffiert. Sie entlockten diversen Elektromusikinstrumenten Töne, kurioserweise war auch eine Tuba mit von der Partie.


Um Musik ging es aber, zumindest, so lange wir dabei waren, eher weniger. Es gab eine Bühnendeko aus seltsamen Stoffwürsten, die wie Geschwüre wirkten. Eine solche Wurst hängte sich Jenny um, andere wurden von einer Kollegin zerrissen, anschließend lief sie umher und schnitt von den Perücken ihrer Kollegen Strähnen ab. Alles wurde auf der Bühne mit einem Handy mitgefilmt. Jenny nahm ihre Perücke ab - in echt ist sie blass und blond, was wiederum zum Tagesmotto passte - und schien, während sie einen Text vorlas, in dem unter anderem "Cry cry cry" vorkam, zu weinen.


Setliste (laut Internet):

Ritual Awakening
Secret Touch
Lorna
Female Vampire
In the Red
The Great Undressing
The Plague
Conceptual Romance

So viel Dramatik innerhalb eines einzigen "Songs" war dann doch ein bisschen viel Kunst auf einmal. Wir beschlossen, Tag 1 ad acta zu legen und begaben uns in unsere Unterkunft. Nachdem wir uns am ersten Festivaltag offen für Dreampop, Indierock, Jangle Pop, Kammerpop, Nu-disco und Klangexperimente gezeigt hatten, schenkten wir uns mit dem Hauptact Run The Jewels auch noch einen Ausflug in Hip Hop-Gefilde.

Neulich als Wiederholungstäterin: Best Kept Secret Festival 2017

U.

Letztes Jahr beehrten wir das niederländische Festival nur mit einem Tagesausflug, dieses Mal sollten es wieder, wie 2015, die vollen drei Tage werden, was schon sehr früh feststand. Grund dafür war die Bestätigung der beiden Headliner Radiohead und Arcade Fire bereits im November und der Umstand, dass die Festivalleitung bekannt gab, weniger Festivaltickets ohne Campingoption verkaufen zu wollen. Nachdem wir genau diese Eintrittskarten haben wollten, erwarben wir direkt beim Verkaufsstart Wochenendtickets. Im Grunde war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass die Festivalmacher für die Headliner einen Großteil ihres Band-Budgets hatten springen lassen müssen - und nachdem die beiden Bands allein jede Menge Zuschauer anlocken würden, gab es auch wenig Anreiz, weitere Publikumsmagnete zu buchen.


So kam es dann auch: Der dritte Headliner wurde eine Hip Hop Band namens Run The Jewels, die ich nicht kannte, und das restliche Line-up enthielt viele, viele Unbekannte. Da ich als Festivalbegleiter aber meinen Freund dabei hatte und dieser erstens wahnsinnig musikinteressiert ist und sich zweitens akribisch auf Festivals vorbereitet, hatten wir dennoch einen straffen Zeitplan, der möglichst viele Bands abdecken sollte. Ich bekam zur Einarbeitung Playlisten für iTunes, die ich zwar pflichtbewusst durchhörte... dennoch gab es letztlich nur wenige Acts, mit denen ich viel verband, bevor ich sie auf der Bühne sah.

Das Festival an sich konnte mich vor zwei Jahren ziemlich begeistern: Das Gelände direkt an einem See ist wunderschön. Zahlreiche Bäume bieten Schutz vor der Sonne, alles ist liebevoll dekoriert. Schaukeln und Hängematten laden dazu ein, eine Pause zu machen, und alle paar Meter sieht man einen Essensstand, an dem man sich (zumindest, wenn man ich ist) unbedingt etwas kaufen möchte.


Natürlich verändert sich das Festival Jahr für Jahr ein wenig. Die erste, für uns bei der Anfahrt überraschende Neuerung war, dass der Eingang verlegt worden war. Ordner wiesen uns zu einer uns fremden Straße, so dass wir am Festivalfreitag höchst verwirrt aus dem Auto stiegen und uns fragten, ob wir vielleicht versehentlich zwischen die Camper geraten waren - vom Festivalgelände war von unserem Standort aus weit und breit nichts zu sehen, immerhin war es aber ausgeschildert. Nach einem längeren Fußmarsch zeigte sich aber, dass zwar sämtliche Parkplätze und auch die Bändchenausgabe umgezogen waren, das Festivalgelände an sich aber dasselbe war. Wie vorab angekündigt musste man übrigens zusätzlich zu seinem Tickets auch seinen Ausweis zeigen - ich habe zwar schon öfter gelesen, dass bei Konzerten solche Maßnahmen angekündigt wurden, um Zwischenhändler zu entmutigen, aber dieses war das erste Mal, dass ich erlebte, wie die Ankündigung auch umgesetzt wurde.


Ansonsten hielten sich die Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen aber in starken Grenzen: Taschen wurden bestenfalls halbherzig kontrolliert, und in den folgenden Tagen sah ich beinahe sämtliche "verbotene Gegenstände" (Regenschirme, Wasserbeutel, Essen, Campingstühle...) auf dem Gelände. Das ist grundsätzlich natürlich auch egal, allerdings macht man sich heutzutage bei jeder Massenveranstaltung ja ein wenig Sorgen wegen eventuell möglicher Anschläge, und ich muss im Nachhinein sagen: Man hatte nicht den Eindruck, dass der Veranstalter sich in dieser Hinsicht irgendwelche Gedanken gemacht hatte. Um so erstaunlicher, weil FKP Scorpio auch das Hurricane und Southside Festival veranstaltet, die am kommenden Wochenende stattfinden - mit umfangreichen Sicherheitsregeln.


Zugegebenermaßen ließe sich ein Anschlag bei einem Ereignis, bei dem die Besucher naturgemäß viel Gepäck dabei haben, vermutlich so oder so nicht verhindern. Allerdings hatte ich auch allgemein den Eindruck, dass an der Sicherheit gespart wurde. Nicht an jeder Bühne standen Ordner herum, und bei den vorhandenen sah ich niemals, das sie mit dem Publikum interagierten. Wäre jemand beim Warten auf eine Band im Gedränge umgekippt, hätte man wohl erst Sicherheitspersonal suchen müssen, dass dann per Funk Ersthelfer erreichen hätte können. Vor der Hauptbühne gab es in diesem Jahr als Neuerung zwei "Wellenbrecher", die verhindern sollten, dass es direkt vor der Bühne zu viel Gedrängel gab. An sich eine gute Idee, aber sie hätte besser funktioniert, wenn Ordner den Zugang überwacht und ab einem gewissen Vollheitsniveau niemand mehr eingelassen hätten - so kannte ich das vom Hurricane-Festival.

Auch auf den Zugangswegen zwischen Parkplatz und Gelände hätte ich mir mehr Personal gewünscht: Während am Festivalfreitag Massen von Parkeinweisern zur Verfügung standen, sah das an Tag 2 und 3 ganz anders aus. Der Fußweg zum Gelände führte an einer stark befahrenen Straße entlang, die man nur an einer Stelle per Fußgängerbrücke überqueren konnte. Am Samstag und Sonntag kam es nach dem Ende des Hauptacts zu einem Massenaufbruch Richtung Parkplätze, wodurch die Brücke zum Engpass wurde - was viele dazu veranlasste, neben der eigentlichen Treppe im Dunkeln einen Hang herauf- und herab zu klettern. Wie gesagt, es war dunkel, und angesichts der Tatsache, dass bei Festivals generell viel getrunken wird, hätte es durchaus zu Unfällen kommen können - hier wären Ordner hilfreich und auch angebracht gewesen.


Eine andere Neuerung, die ich im Vorfeld mit Sorge betrachtet hatte, erwies sich dagegen als recht problemlos: Das Festival hatte für dieses Jahr beschlossen, "cashless" zu werden. Während man in vergangenen Jahren mit seinem Festivalbändchen einen Chip erhalten hatte, auf den man Geld laden konnte, um damit Essen und Getränke zu bezahlen, wurde dieses System dieses Jahr verändert: Stattdessen sollten sämtliche Besucher alle ihre Einkäufe per Karte bezahlen. Nachdem ich selbst bis vor Kurzem nur eine Kreditkarte ohne PIN besessen hatte, bei der für jede Transaktion ein kleiner Zettel ausgedruckt und unterschrieben werden musste, begeisterte mich diese Neuerung nicht - zumal die Sache mit dem Armband immer reibungslos funktioniert hatte. Tatsächlich konnte ich aber mit meiner brandneuen Kreditkarte mit "Contactless"-Funktion überall problemlos bezahlen, ohne dass sich irgendwelche Verzögerungen ergaben. Und auch das Eintippen der PIN durch andere Besucher hielt nicht unnötig auf. In meiner Kreditkartenabrechnung scheint auch alles korrekt verbucht worden zu sein.


In den letzten Jahren entwickelt sich bei Festivals der Trend, dass zunehmend mehr angeboten wird als nur Musik, Zelten und Bier. Regelrechte Workshops wie beim A Summer's Tale sind sicherlich die Ausnahme, aber auch letztes Jahr beim Down The Rabbit Hole Festival wurden den Gästen einige Aktivitäten angeboten - etwa schweißen, Skulpturen basteln und etwas, was stark nach Löcher graben aussah. Das Best Kept Secret trug der Entwicklung dieses Jahr nun auch Rechnung, indem es einen "Tokio"-Bereich gab, in dessen Mitte eine große LED Wand an Bilder aus dem Vergnügungsviertel Shibuya denken ließ. In der direkten Umgebung gab es asiatische Essensstände, aber auch die Möglichkeit, Karaoke zu singen und einen Bereich, in dem man an Spielkonsolen zocken konnte.

Eine Sache gab es allerdings, die mich dieses Jahr beschäftigte: War das Festival in den vorausgegangenen Jahren auch so dermaßen voll gewesen? Egal, wo man sich in bewegte, man war stets in einem Gruppenmarsch unterwegs, der gelegentlich an die wandernden Zombiehorden auf The Walking Dead erinnerte. Auch wenn die Zahl der Essens- und Getränkestände sowie die Toiletten mit dem Andrang gut zurechtkamen, schien das Gelände extrem vollgepackt zu sein, was sich etwa zeigte, wenn man einfach nur ein Stück halbwegs saubere Wiese im Schatten für eine Pause suchte.


In den nächsten Tagen berichte ich dann über die Bands und das Essen...

Sendeschluss: Chromatics - Shadow

U.

Aktuell läuft eine neue Staffel der vielleicht ersten Mystery-Serie aller Zeiten, Twin Peaks. Aus gegebenem Anlass, ich kannte die alte Serie nämlich nur oberflächlich, wurden in meinem Haushalt in den letzten Monaten Staffel 1 und 2 komplett angesehen, und ich kann berichten, dass sich Staffel 2 zeitweise doch sehr zieht. Laura Palmers Mörder kannte ich natürlich bereits, nicht aber das eigentliche Ende der Serie, was dann immerhin ein ziemlicher Schock war.

Von der neuen Staffel kenne ich bislang die ersten beiden Folgen, wobei man anhand dieser sagen kann, dass alles noch einen Tick verrückter geworden ist als in der Ursprungsserie. Ein neues Feature ist, dass am Ende der meisten Folgen eine Indieband auftritt. In Folge 2 waren das die Chromatics mit einem Liveauftritt in der Bar "Bang Bang Club", wohl der 2017er Version des "Roadhouse" aus der alten Serie.

Die Chromatics passen hier ausgesprochen gut, erinnert die hellblonde Sängerin mit der sanften Stimme doch ein wenig an Julee Cruise, deren Auftritte in eben jenem "Roadhouse" sicherlich zu den bekanntesten Momenten der Serie zählen.

Sendeschluss: Arcade Fire - Everything Now

U.

Nur noch ein paar Mal schlafen bis zum Best Kept Secret Festival, bei dem neben Radiohead auch Arcade Fire als Headliner auftreten werden. Die neue Single "Everything Now" klingt, wie ich eben erfuhr, nach "Dancing Queen". Ok, wenn man nur den Instrumentalteil beachtet, mag das auch stimmen.

Was mich bei Arcade Fire live wohl erwartet? Nächste Woche um diese Zeit bin ich schon schlauer.

Gekauft: Mai 2017

U.

Als Inhaberin einer BahnCard 100 sammele ich automatisch große Mengen Punkte im Bahn-eigenen Bonussystem. Bis letztes Jahr konnte man das eigene Punktekonto besonders gut füllen, wenn man zusätzlich die Bahn-eigene Kreditkarte nutze - mittlerweile wurde die Zahl der auf diese Art erhältlichen Sonderpunkte auf eine vernachlässigbare Menge gekürzt.

Nichtsdestotrotz habe ich in den letzten vier Jahren durch den Kauf von insgesamt fünf BahnCards sowie etliche Umsätze der Kreditkarte nach dem alten System eine beachtliche Menge Punkte gesammelt. Nur wenige davon wurden in Bahnfahrkarten für meinen Freund umgetauscht, die meisten lagen einfach auf meinem Konto herum - bis jetzt. Denn nun habe ich mir die "teuerste" überhaupt erhältliche Bahnprämie ausgesucht, das neue iPad mit 128 GB Speicherplatz.

Treue Leser dieses Blogs erinnern sich möglicherweise, dass ich mir vor fünf Jahren mit gemischten Gefühlen ein iPad 3 anschaffte - dieses erfreut sich immer noch guter Gesundheit und ist im Bild das untere. Allerdings hatte ich mich damals 2011 aus Sparsamkeitsgründen für ein Gerät mit nur 16 GB Speicherplatz entschieden, was mit der Zeit ziemlich nervte, zumal der Speicherplatz, den Apps benötigen, mit den Jahren immer mehr zugenommen hat.  Apple hat auch aufgehört, es mit Software-Updates zu versorgen.

Das neue iPad ist natürlich auch schneller, kann meinen Fingerabdruck erkennen und ist ein bisschen kleiner, dünner und leichter. Ich hoffe deshalb, dass es mich, anders als sein Vorgänger, öfters als Ersatzcomputer begleiten wird. Allerdings scheint es mittlerweile keine brauchbaren Apps mehr zu geben, die eine mobile Nutzung der Blogger-Oberfläche ermöglichen. Da werde ich wohl etwas herumprobieren müssen...

Gesehen: Mai 2017

U.

Ich berichtete ja bereits über "Das kleine Fernsehballett", den Podcast meiner Phantasiefreunde. In einer Folge berichteten Stefan Niggemeier und Sarah Kuttner durchaus kritisch über die neue Hype-Serie 13 Reasons Why, die auf Deutsch den absolut dämlichen Titel Tote Mädchen lügen nicht trägt.

Die auf einem Jugendbuch basierende Serie beginnt mit dem Selbstmord der Schülerin Hannah Baker, um dann rückblickend zu zeigen, wie es dazu kam, dass ein eigentlich ganz normales Mädchen nicht mehr leben wollte. Erzählerin ist hierbei Hannah selbst: Sie hat den Schülern, die sie als an ihrem Selbstmord "schuldig" betrachtet eine Sammlung von Kassetten hinterlassen. Jede Kassettenseite ist dabei einem ihrer Mitschüler gewidmet und erzählt, wie diese Person Hannah geschadet hat.

Zu Beginn der Serie kursieren die Kassetten schon eine Weile unter den Schülern, von denen etliche behaupten, Hannahs Geschichten - die der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt noch nicht kennt - seien gelogen. Nun ist Clive an der Reihe, der mit Hannah befreundet und in sie verliebt war - doch auch er kommt auf den Kassetten vor. Gemeinsam mit Clive erfährt der Zuschauer nun nach und nach den Inhalt der Kassetten, wobei jede Folge der Serie eine Kassettenseite behandelt. Dabei vermischen sich Clives Gegenwart, in der Hannah tot ist, seine Erinnerungen an das, was Hannah auf den Kassetten schildert und zum Teil Halluzinationen, in denen sich beide Zeitebenen kombinieren.

Ich hatte die Serie nach der negativen Rezension im Podcast eigentlich gar nicht sehen wollen, musste aber nach der ersten Folge feststellen: Spanend ist das alles schon. Dennoch muss ich jetzt, da ich alle Folgen kenne, sagen, dass die Kritik richtig lag. Einerseits verzichtet die Serie, weil alles möglichst lange spannend bleiben soll, darauf, sonderlich realistisch zu sein: Es ist schon sehr seltsam, dass Clive, den Hannahs Geschichte sehr mitgenommen hat, die Kassetten so dermaßen langsam anhört. Statt einfach anzuhören, was Hannah zu sagen hat, fragt er Mitschüler nach Dingen, die er genauso auf den Kassetten anhören könnte.

Zum anderen ist das Ausmaß der "Schuld" seitens der Mitschüler an Hannas Selbstmord extrem unterschiedlich. Dennoch halten aber alle zusammen und schützen sich gegenseitig, indem sie behaupten, alles auf den Kassetten Geschilderte sei die Unwahrheit. Dass eine ehemalige Freundin, die irgendwann wegen eines Missverständnisses nichts mehr mit Hannah zu tun haben wollte, sich dabei auf eine Stufe mit einer anderen stellt, die Hannah bewusst verleumdet hat, und diese sich mit einem Vergewaltiger...  so richtig ergibt das keinen Sinn.

Und zuletzt ist da noch die Darstellung des Themas Selbstmord an sich. Zu keinem Zeitpunkt wird angedeutet, dass Hannas Entscheidung, sich das Leben zu nehmen, vor allem zeigt, dass ihre Psyche nicht gesund war. In der Serie gibt es nur Ursache (gemeine Mitschüler) und Wirkung (Selbstmord), als wäre das eine die unvermeidliche Konsequenz des anderen - und als gäbe es nicht auch Menschen, die Schreckliches erleiden und dennoch weiter leben. Tatsächlich hat die Serie vor allem in den USA große Diskussionen ausgelöst, denn Selbstmord ist bekanntlich insbesondere unter Jugendlichen ein Phänomen, das schnell um sich greift - und die Darstellung einer Person, die ohne, dass ihr widersprochen wird, erklärt, sie habe nun genug erlitten, so dass Selbstmord ihre einzige verbleibende Option ist, erscheint als gefährliches Beispiel.

Gelesen: Mai 2017

U.

Mein "Gelesen" von Monat Mai ist irgendwie auch ein "Gesehen". Über die auf Sky sehr stark beworbene Miniserie Big Little Lies mit Reese Witherspoon und Nicole Kidman kam ich auch auf die Buchvorlage, die wie das im März vorgestellte What Alice Forgot von Liane Moriarty stammt.

Ich begann erst damit, die Serie anzusehen, unterbrach dann, las dann das komplette Buch und sah dann die letzten beiden Folge der Serie. Natürlich ist die grobe Handlung in beiden Fällen gleich: Eine allein stehende junge Frau kommt neu in eine Stadt, in der das soziale Leben der anderen Bewohner um die örtliche Grundschule kreist, in der auch die frisch Zugereiste ihren kleinen Sohn anmeldet. Am ersten Schultag kommt es zu einem Eklat, der die anderen Eltern dazu bringt, Position zu beziehen, und einige Monate später eskaliert der Konflikt. Der Zuschauer beziehungsweise Leser weiß von Anfang an, dass sich bei einem Schul-Wohltätigkeitsabend ein Mord ereignet haben soll, aber er weiß bis zum Ende des Romans beziehungsweise der Serie nicht, wer wen getötet hat.

Die HBO-Serie spielt unter weitestgehend Superreichen im kalifornischen Monterey. Lediglich die junge Mutter Jane lebt in einer kleinen Wohnung, alle anderen Figuren haben riesige, wunderschöne und moderne Strandhäuser, und die atemberaubende Aussicht aufs Meer, die sich in vielen Szenen bietet, ist ein ästhetischer Genuss. In der Romanvorlage ist das ein wenig anders. Sie spielt in einem Vorort von Sydney, ebenfalls am Meer, aber lediglich eines der Schul-Elternpaare ist der Kategorie "superreich" zuzurechnen. Aus der Perspektive von Jane haben zwar auch im Roman alle mehr Geld als sie, aber sie merkt auch in einer Szene, in der ihr kleiner Sohn das Haus ihrer neuen Freundin Madeline bewundert, sich selbst gegenüber an, dass es sich um ein völlig normales Haus handelt und ihr Sohn sich nicht nach einem Luxusleben sehnt - sondern nach einer Durchschnittsexistenz, die sie ihm aber ebenfalls nicht bieten kann.

Auch andere Handlungselemente wurden für die Verfilmung abgeändert, was sicherlich damit zu tun hat, dass es im Buch viele Innenperspektiven der Figuren gibt, so dass etliche Gefühle nicht durch spezielle Handlungselemente Ausdruck finden müssen - was dazu führt, dass die Serie wesentlich konfliktreicher ist. Gerade eine der Hauptfiguren, Madeline, ist im Roman zwar durchaus konfliktfreudig, aber im Großen und Ganzen ein netter Mensch. In der Serie dagegen hat ihre Streitsucht einen signifikanten Einfluss auf ihr Familienglück.

Insgesamt gefiel mir inhaltlich das Buch besser, weil die Figuren und ihre Konflikte lebensnaher dargestellt werden - was aber nichts daran ändert, dass die Serie in meinen Augen ebenfalls sehenswert ist und ästhetisch extrem gut gemacht ist.

30 Jahre später: Depeche Mode im Kölner RheinEnergieStadion

U.

Dieses Jahr feiere ich mein 30jähriges Konzertjubiläum: Am 6. November 1987 sah ich als erstes Konzert meines Lebens Depeche Mode in der Kölner Sporthalle. Also war es nur konsequent, auch das Jubiläumskonzert in Köln zu besuchen.

So richtig geplant war der Besuch aber zumindest von meiner Seite aus nicht. Ich hatte, als die Stadiontournee zum aktuellen Album "Spirit" angekündigt wurde, nämlich eigentlich gesagt, dass ich keine Lust habe, die Band winzig klein auf der Bühne der Commerzbank-Arena zu sehen. Folglich wurden auch keine Tickets erworben. Später stellte ich fest, dass das aktuelle Album der Band, "Spirit" deutlich interessanter klingt als seine drei Vorgänger, aber da war das Thema schon durch (und die Konzerte ausverkauft).


Dann kam das Pfingstwochenende, und mein Freund überraschte mich mit der Tatsache, dass er uns heimlich doch Tickets besorgt hatte, für das Kölner Konzert am Pfingstmontag. In Erinnerung an unser letztes Konzert der Band legte ich dieses Mal großen Wert auf eine frühzeitige Anreise: Damals in Düsseldorf hatten wir vor dem Konzert eine Stunde im Stau gestanden und, bis wir endlich ankamen, die gesamte Vorband sowie das erste Lied von Depeche Mode verpasst. Darüber hinaus hatte der Kölner Veranstalter im Vorfeld bekannt gegeben, besonders strenge Sicherheitsmaßnahmen anwenden zu wollen, weshalb Besucher angehalten wurden, sich auf ausführliche Kontrollen inklusive Metalldetektoren gefasst zu machen.


Wie man es macht, macht man es bekanntermaßen falsch, das galt auch am Pfingstmontag. Ohne Staus kamen wir gut durch zum Fußballstadion, und die Einlasskontrolle war lascher als viele andere, die ich bereits erlebt hatte. So hatten wir, als wir uns schon im "Front of Stage"-Bereich befanden, noch über zwei Stunden zu warten. Während die Ränge des Stadions noch annähernd leer waren, war allerdings der Bereich vor der Bühne bereits gut mit anderen Wahnsinnigen gefüllt, denen mehrere Stunden Wartezeit nichts ausmachten, wenn sie im Gegenzug eine besonders gute Sicht auf Dave Gahan & Co. haben konnten. Um uns herum wurde viel Bier getrunken, Freundschaften entwickelten sich, allerdings ging man sehr streng mit Besuchern um, die sich an Plätze drängeln wollten, die sie sich nicht "erwartet" hatten. Das hatte ich so noch bei keinem anderen Konzert erlebt. Auch die Dichte an Band-T-Shirts aller Altersklassen war erstaunlich.


Irgendwann war es dann endlich Zeit zumindest für die Vorband "The Horrors". Die "Global Spirit Tour" hatte als bisherige Support Acts die Raveonettes, F.O.X. und eben The Horros, bei weiteren Terminen wird Algiers mit von der Partie sein. Uns hätten bei freier Auswahl die Raveonettes am meisten interessiert, aber vielleicht ist es gut, dass es anders kam: Die bierseligen Freundschaften um uns herum hatten noch so viel Gesprächsbedarf, dass es extrem schwierig war, das Set der jungen Band aufmerksam zu verfolgen. Deren wilde Frisuren und Make-up mochten auch nicht recht zu der Tatsache passen, dass noch  strahlender Sonnenschein herrschte - immerhin wurde die Band auf den Videoleinwänden links und rechts der Bühne schwarzweiß gezeigt, was atmosphärisch etwas besser passte.


In der im Anschluss folgenden Wartezeit wurden um uns herum einige Joints angezündet, die Einlasskontrollen waren also definitiv sehr lasch gewesen. Eine Konzertbesucherin verteilte fotokopierte Zettel, auf denen "Heroes - ever and ever" stand und die man in der zweiten Zugabe hochhalten sollte. Und dann war das Warten endlich vorbei: Vorne wurde "Revolution" von den Beatles angespielt, das in eine Instrumentalversion der aktuellen Depeche Mode-Single "Where's The Revolution" überging. Dann standen Dave, Martin und Fletch auf der Bühne und mit ihnen ein Schlagzeuger (Christian Eigner) und ein Keyboarder (Peter Gordeno) - beide sind seit Uhrzeiten Mitglieder der Liveband.


Die Setliste der gesamten Tournee ist stets gleich, weshalb wir bereits wussten, was uns erwartete. Der erste Song "Going Backwards" ist einer der stärkeren von "Spirit" und entpuppte sich als toller Opener. Dave und Martin trugen beide rote Sakkos, die allerdings angesichts hoher Temperaturen schnell abgelegt wurden. Beide Herren trugen "drunter" Weste, Dave zum ansonsten schwarzen Outfit Glitzer-Stiefeletten. Im Bühnenhintergrund befand sich (natürlich) eine riesige LED-Wand, die zwei Teile hatte: In etwa zwei Metern Höhe befand sich ein Steg, auf dem Dave quasi durchs Bild spazieren konnte. Für weitere Bewegungsaktivitäten stand ihm ein Steg ins Publikum zur Verfügung.

"Barrel of a Gun" von "Ultra" endete mit einigen Sätzen aus Grandmaster Flashs "The Message", dann ging es weiter mit einer ausgesprochen unschönen Version von "A Pain That I'm Used To" dem einzigen Lied von "Playing The Angel", das aktuell noch live vorgetragen wird.


Die Videoleinwand kam nicht bei jedem Lied zum Einsatz, für einige Songs gab es aber regelrecht Filme, die sicherlich vom Haus-und Hofkünstler der Band, Anton Corbijn, stammen. So konnte man zu "So Much Love" ein Schwarzweißvideo mit der Band sehen, zu "In Your Room" den wild choreographierten Tanz eines Paares.

Einen ersten Höhepunkt des Sets stellten die beiden Balladen dar, die Martin Gore allein vortrug, "A Question of Lust" und "Home". Viele im Publikum konnten jedes Wort mitsingen, während Martin angesichts der Begeisterung zu "Home" sogar Daves Publikumssteg testete. Noch lange nach dem Ausklingen des Liedes, und auch, als die restliche Band inklusive Dave bereits zurückgekehrt war, wiederholte das Publikum die Melodie, die normalerweise die Gitarre spielt.


Weiter ging es mit zwei Songs des aktuellen Albums, darunter der Single "Where's The Revolution" (mit zum Albumcover passender Animation auf der LED-Wand) und anschließend "Wrong", einer weiteren der auffälligeren neueren Singles. Dann kamen wir zum Oldie-Teil: "Everything Counts" von 1983, "Stripped" von 1986, "Enjoy the Silence" von 1990 und mein persönliches Lieblingslied "Never Let Me Down Again" von 1987. Eine derartige Fülle toller Hits der Band aus den 80er Jahren hatte das Konzert von 2013 nicht zu bieten gehabt.

Der fest eingeplante Zugabenteil begann mit einer weiteren Solonummer für Martin, "Somebody", und wie bereits zuvor zeigte sich, dass Herr Gore zwar aktuell nicht sonderlich gesund aussieht, aber ganz hervorragend bei Stimme ist.  Im ganzen Stadion wurden leuchtende Handys geschwenkt. Es folgte eine David Bowie-Coverversion, "Heroes", für die viele brav die vorab verteilten Zettel hoch hielten. Mit erschloss sich nicht ganz, warum die Band David Bowie ehren wollte - ein paar erklärende Worte wären gut gewesen.


Zu "Walking In My Shoes" gab es wieder einen kurzen Film zu sehen - er handelte von einem Drag-Künstler und zeigte, wie dieser sich für einen Auftritt fertig machte - inklusive sehr hoher Absatzschuhe, die gut zum Refrain des Songs passten. Nach "I Feel You" und "Personal Jesus" war die sehr gut gelungene Setliste vollendet und das Konzert vorbei.

Letztlich war ich doch froh, Depeche Mode bei einem Stadionkonzert gesehen zu haben. Natürlich ist Dave Gahans Bühnenshow mit ihren Tänzen, Hüftschwüngen, Drehungen und dem Stolzieren mit den Jahren recht vorhersehbar geworden, aber Konzerte dieser Größenordnung lassen ja ohnehin wenig Spielraum für Improvisation. Ich hörte viele großartige Songs und freute mich dieses Mal insbesondere an denen von Martin.


Setliste:

Going Backwards
So Much Love
Barrel of a Gun (with a snippet of Grandmaster Flash's "The Message" )
A Pain That I'm Used To ('Jacques Lu Cont's Remix' version)
Corrupt
In Your Room
World in My Eyes
Cover Me
A Question of Lust (Acoustic)
Home
Poison Heart
Where's the Revolution
Wrong
Everything Counts
Stripped
Enjoy the Silence
Never Let Me Down Again

Somebody
Walking in My Shoes
"Heroes" (David Bowie cover)
I Feel You
Personal Jesus

Konzertkarten-Budget 2018: aufgebraucht

U.

"Jetzt ist schon wieder was passiert." So beginnen die Brenner-Romane von Wolf Haas, wobei "was" natürlich stets ein Mord ist.

In meinem Fall kann die Floskel stattdessen auf diverse Ticketkäufe angewendet werden, aber beginnen wir doch am Anfang: Schon letztes Jahr ging es mit den Bandbestätigungen für die Festivals von 2017 los - hier beklagte ich mich bereits über den Frühbuch-Terror, dem man als potenzieller Gast ausgesetzt war. Tatsächlich habe ich auch bereits seit November Tickets für das Mitte Juni stattfindende Best Kept Secret Festival. Neben den Headlinern Radiohead und Arcade Fire wurde lange Zeit nichts bestätigt, und als dann doch weitere Buchungen bekannt wurden... nun ja, sagen wir es so: Es ist recht offensichtlich, dass ein Großteil des Budgets für die beiden Headliner verpulvert wurde und man danach eben irgendwie versucht hat, das Line-up voll zu bekommen. Immerhin freue ich mich auch auf Aurora und Cigarettes After Sex.

Mein anderes Festival dieses Jahr (ich gehe ja immer nur auf zwei) ist wiederum das A Summer's Tale in der Lüneburger Heide. Hier gibt es über das Line-up grundsätzlich nichts zu meckern, nur leider trifft es zu einem Großteil nicht unbedingt meinen persönlichen Geschmack. Die Pixies, Feist und PJ Harvey passen definitiv zum angepeilten Zielpublikum, und für meinen Geschmack bietet man immerhin zusätzlich The Notwist und Franz Ferdinand. Auch Get Well Soon werden vorbei schauen.

So weit die Festivals. Mein Noel Gallagher-verrückter Freund wollte sich aber auch auf keinen Fall die aktuelle U2-Tournee entgehen lassen, bei der - was zugegebenermaßen attraktiv klingt - das Album "The Joshua Tree" komplett gespielt wird. Sein Idol Noel übernimmt den Support. Sämtliche Termine in Europa sind längst ausverkauft, aber via eBay erwarben wir überteuerte Tickets für einen der Rom-Termine. Wir verbinden das Ganze mit einer ganzen Woche Urlaub in der italienischen Hauptstadt und erwarben, quasi als Rahmenprogramm, zusätzlich noch Tickets für Auftritte von The XX und Moderat. Übrigens verlangt Eventim für den Versand von Tickets aus Italien völlig aberwitzige Gebühren. Mein Freund ist übrigens ein wenig traurig, denn ich habe mein Veto dagegen eingelegt, vor Ort auch noch ein Konzert der Band Einstürzende Neubauten zu besuchen.

Weiter geht es dann im Oktober, denn dann werden Slowdive in Amsterdam auftreten. Nachdem wir die Band beim Maifeld Derby, das dieses Jahr parallel zum Best Kept Secret Festival stattfindet, verpassen werden, bekommen wir doch noch eine Chance, sie zu sehen. Als große Ausnahme meiner Konzertliste sind die Ticketpreise für dieses Konzert extrem human - wenn da nicht noch die erforderliche Hotelübernachtung wäre, denn aus irgendeinem Grund scheint Amsterdam zum besagten Termin schon fast ausgebucht zu sein. Am Morgen nach dem Konzert müssen wir auch schnell nach Hause fahren, denn für denselben Abend haben wir Karten, um Nick Cave in Frankfurt zu sehen.

Damit ist der gleichzeitig ungewöhnlichste und auch teuerste Konzertbesuch des Jahres aber noch gar nicht erwähnt, denn am 26. Dezember fliegen wir nach Reykjavik, um dort die Band Sigur Rós in der Konzerthalle Harpa zu besuchen. Die Tickets, der Flug, selbst die Ferienwohnung... ein nicht ganz günstiger Spaß, dafür sind wir, wie schon in Rom, mehrere Tage vor Ort und können diese auch touristisch nutzen. Da ich noch nie in Island war, freue ich mich auf diese Reise, Geysire und Nordlichter. Und da alles sowieso schon so teuer ist, hat mein Freund beschlossen, dass wir uns Sigur Rós, die insgesamt an vier Abenden hintereinander auftreten werden, auch gleich zweimal ansehen können.

Wenn man so weit in die Zukunft blickt, vergisst man schnell das Naheliegende: Gestern fand ich nämlich als Geschenk auf dem Frühstückstisch ein Ticket für das heute in Köln stattfindende Konzert von Depeche Mode.

So, damit dürfte denke ich entschieden sein, dass wir uns im Jahr 2018 konzerttechnisch auf Wohnzimmerkonzerte sowie Open Mic-Shows in unserer Gemeinde beschränken werden. Sonst kann das ja kein Mensch bezahlen...



Sendeschluss: Radiohead - I Promise

U.

Das letzte Radiohead-Album, mit dem ich wirklich etwas anfangen konnte, "OK Computer", wird dieses Jahr 20 Jahre alt. Anlass genug für die Band, das Album in einer erweiterten Version neu aufzulegen. Diese enthält auch Songs, die es nicht nur damals nicht auf das Album schafften, sondern die bis jetzt auch nie "richtig" aufgenommen worden waren. Dazu gehörte auch das nun in guter Soundqualität hörbare "I Promise".

Wie erwartet ist der Song wesentlich eingängiger als Radioheads heutiges Material, und das Video über eine nächtliche Busfahrt ist sehr stimmungsvoll geworden. Ein wenig hoffe ich, dass die Band, wenn ich sie im Juni live sehe, im Jubiläumsrausch sein und viel von "OK Computer" spielen wird.

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